Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Die wahre Antwort auf gesunde Ernährung liegt nicht im Supermarkt-Regal, sondern in der bewussten Entscheidung für unverarbeitete, regionale Lebensmittel.

  • Regionale Bio-Siegel wie Demeter und Bioland bieten deutlich höhere Standards für Tierwohl und Umwelt als das EU-Bio-Siegel.
  • Saisonales Einkaufen reduziert nicht nur den CO2-Fußabdruck, sondern schont durch günstigere Preise und bessere Lagerfähigkeit auch Deinen Geldbeutel.

Empfehlung: Beginne damit, ein einziges Produkt, das Du oft kaufst (z.B. Joghurt), durch eine vollwertige Alternative vom Wochenmarkt zu ersetzen und den Unterschied in Geschmack und Wohlbefinden bewusst wahrzunehmen.

Du stehst im Supermarkt, der Einkaufswagen ist halb voll, und das leise Gefühl der Überforderung macht sich breit. Avocados aus Peru, Weintrauben aus Südafrika, Tomaten aus Spanien – alles ist jederzeit verfügbar. Doch diese Fülle hat ihren Preis: für die Umwelt, für die Qualität der Nährstoffe und oft auch für Deine Gesundheit. Viele von uns möchten das ändern, den eigenen CO2-Fußabdruck reduzieren und auf unnötige Chemie verzichten. Die gängigen Ratschläge – „Kauf regional!“ oder „Achte auf Bio!“ – klingen einfach, doch die Realität im Dschungel der Siegel und „Light“-Versprechen ist kompliziert. Schnell landet man bei Produkten, die zwar „bio“ sind, aber dennoch weite Strecken zurückgelegt haben, oder bei fettreduzierten Joghurts, die voller Zucker und Zusatzstoffe stecken.

Aber was, wenn der Schlüssel zu einer wirklich gesunden und nachhaltigen Ernährung nicht in komplizierten Diätregeln oder exotischen Superfoods liegt, sondern direkt vor unserer Haustür, auf dem lokalen Wochenmarkt? Wenn es nicht um Verzicht ginge, sondern um die Wiederentdeckung von echtem Geschmack und die Konzentration auf die Nährstoffdichte unserer Lebensmittel? Dieser Artikel nimmt Dich an die Hand und bricht mit den gängigen Mythen. Wir tauchen tief ein in die Welt der deutschen Wochenmärkte und zeigen Dir, wie Du durch clevere Entscheidungen nicht nur Deine Gesundheit stärkst und die Umwelt schützt, sondern dabei auch noch Freude am Essen hast. Wir entschlüsseln Siegel, decken die Zuckerfallen in Light-Produkten auf und geben Dir eine praxistaugliche Strategie an die Hand, um die Kantine links liegen zu lassen.

Dieser Leitfaden ist Dein Kompass für einen bewussten und genussvollen Einkauf. Erfahre in den folgenden Abschnitten, wie Du die besten Entscheidungen für Dich und den Planeten triffst – Schritt für Schritt und ganz ohne Dogma.

Warum ist EU-Bio nicht dasselbe wie Demeter oder Bioland?

Das grüne EU-Bio-Siegel mit den Sternen ist ein guter erster Schritt, aber es ist bei weitem nicht das Ende der Fahnenstange. Wenn Du Wert auf höchste Qualität, Tierwohl und ökologische Nachhaltigkeit legst, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Siegel der deutschen Anbauverbände wie Demeter und Bioland. Diese gehen in ihren Anforderungen weit über die gesetzlichen Mindeststandards der EU hinaus. Eine aktuelle Umfrage bestätigt die hohe Bekanntheit dieser Siegel in Deutschland: 66% der Verbraucher kennen Demeter, den ältesten Bioverband des Landes.

Der entscheidende Unterschied liegt im Detail und in der Philosophie. Während die EU-Bio-Verordnung beispielsweise den Einsatz von 53 Zusatzstoffen erlaubt, sind es bei Bioland nur 22 und bei Demeter 21. Ein noch drastischeres Beispiel ist die Tierhaltung: Demeter-Betriebe sind zur Tierhaltung verpflichtet, um einen geschlossenen Hofkreislauf zu gewährleisten. Das Futter muss zu 100% aus biologischem Anbau stammen, davon mindestens zwei Drittel in Demeter-Qualität. Diese ganzheitliche Herangehensweise, die sogenannte biodynamische Wirtschaftsweise, betrachtet den Hof als einen lebendigen Organismus. Das kommt nicht nur der Umwelt zugute, sondern auch direkt der Qualität und dem Geschmack der Lebensmittel, die Du auf dem Wochenmarkt findest.

Die folgende Tabelle verdeutlicht einige der wichtigsten Unterschiede und zeigt, warum es sich lohnt, gezielt nach Produkten von deutschen Anbauverbänden Ausschau zu halten, wie eine aktuelle vergleichende Analyse zeigt.

Unterschiede zwischen EU-Bio und deutschen Anbauverbänden
Kriterium EU-Bio Bioland Demeter
Legehennen pro m² 6 6 4,4
Zusatzstoffe erlaubt 53 22 21
Futtermittel 95% Bio 100% Bio 100% Bio, 66% Demeter
Tierhaltung obligatorisch Nein Nein Ja

Die Entscheidung für Demeter oder Bioland ist also keine reine Formsache, sondern ein klares Bekenntnis zu einer Landwirtschaft, die den Boden, die Tiere und die Pflanzen als wertvolle Partner achtet. Diese höheren Standards spiegeln sich in der Vitalität und Nährstoffdichte der Produkte wider.

Wie sparen Sie Geld, indem Sie Erdbeeren nur im Juni kaufen?

Der Anblick von leuchtend roten Erdbeeren im Februar mag verlockend sein, doch dieser Genuss hat einen hohen Preis – ökologisch und finanziell. Erdbeeren, die außerhalb ihrer natürlichen Saison in Deutschland angebaut oder aus südlichen Ländern importiert werden, benötigen beheizte Gewächshäuser und lange, gekühlte Transportwege. Das treibt nicht nur den CO2-Ausstoß in die Höhe, sondern auch den Preis im Supermarkt. Der wahre Trick, um Geld zu sparen und gleichzeitig die umweltfreundlichste Wahl zu treffen, ist die radikale Ausrichtung am Saisonkalender.

Wenn Du Erdbeeren nur dann kaufst, wenn sie in Deiner Region Saison haben – hauptsächlich im Juni und Juli –, profitierst Du vom Überangebot auf dem Markt. Die Preise sind am niedrigsten, der Geschmack am intensivsten und die Nährstoffdichte am höchsten, da die Früchte voll ausgereift geerntet werden können. Eine fantastische Möglichkeit, noch mehr zu sparen und ein echtes Erlebnis daraus zu machen, ist das Selbstpflücken auf einem der vielen Erdbeerfelder in Deutschland. Hier zahlst Du oft nur nach Gewicht und bekommst die frischesten Früchte, die Du Dir vorstellen kannst.

Familie pflückt Erdbeeren auf einem deutschen Erdbeerfeld im Juni

Was aber tun mit der Fülle im Sommer? Hier kommt die schlaue Vorratshaltung ins Spiel. Kaufe zur Hauptsaison größere Mengen und verarbeite sie. Eingefroren halten sich Erdbeeren monatelang und sind perfekt für Smoothies im Winter. Selbstgemachte Marmelade ist nicht nur ein köstliches Geschenk, sondern auch eine Möglichkeit, den Sommergeschmack zu konservieren – ganz ohne künstliche Aromen. Indem Du saisonal einkaufst, stimmst Du mit den Füßen gegen ein System, das auf künstlicher Verfügbarkeit basiert, und für einen natürlichen Rhythmus, der Deinem Geldbeutel und der Umwelt guttut.

Pflanzlich oder Mischkost: Was ist wissenschaftlich besser für Ihre Blutwerte?

Die Debatte zwischen einer rein pflanzlichen Ernährung und einer Mischkost wird oft ideologisch geführt. Doch was sagt die Wissenschaft, wenn wir auf die Blutwerte schauen? Die gute Nachricht ist: Beide Ernährungsformen können zu exzellenten Blutwerten führen, vorausgesetzt, sie sind gut geplant und basieren auf unverarbeiteten, vollwertigen Lebensmitteln. Das Problem sind nicht pauschal tierische oder pflanzliche Produkte, sondern hochverarbeitete Industrieware, egal aus welcher Kategorie.

Eine gut zusammengestellte pflanzliche Ernährung, reich an Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen, Samen, Obst und Gemüse, kann nachweislich den Cholesterinspiegel senken und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren. Eine Mischkost, die auf wenig, aber dafür hochwertiges Fleisch von Weidetieren vom regionalen Markt, Fisch und viel Gemüse setzt, kann ebenfalls hervorragende Ergebnisse liefern. Der gemeinsame Nenner ist die hohe Zufuhr von Nähr- und Ballaststoffen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt mindestens 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag als Basis für jede gesunde Ernährung.

Statt Dich also für ein Lager zu entscheiden, konzentriere Dich auf die Qualität und Herkunft Deiner Lebensmittel. Eine Linsensuppe mit Linsen von der Schwäbischen Alb liefert hochwertiges pflanzliches Protein und Eisen. Ein Stück Weiderind vom Bauernmarkt nebenan versorgt Dich mit Vitamin B12 und Zink in einer hohen Bioverfügbarkeit. Die Frage ist nicht „entweder/oder“, sondern „wie“. Eine überwiegend pflanzliche Ernährung, die gelegentlich durch hochwertige tierische Produkte vom Wochenmarkt ergänzt wird – eine sogenannte flexitarische Ernährung –, ist für viele Menschen der wissenschaftlich fundierteste und im Alltag praktikabelste Weg zu optimalen Blutwerten und einem guten Gewissen.

Warum enthalten fettreduzierte Produkte oft mehr Zucker und Zusatzstoffe?

Im Supermarkt lächeln uns unzählige „Light“-Produkte an und versprechen Genuss ohne Reue. Doch hinter der Fassade versteckt sich oft eine ernährungstechnische Mogelpackung. Der Grund ist einfach und chemisch: Wie das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) betont, ist Fett ein essenzieller Geschmacksträger. Wenn Hersteller Fett aus einem Produkt wie Joghurt oder Käse entfernen, verschwindet auch ein Großteil des Geschmacks und der cremigen Textur. Um das Produkt trotzdem attraktiv zu machen, greifen sie tief in die Trickkiste der Lebensmitteltechnologie.

Die fehlende Fülle und der mangelnde Geschmack werden meist durch eine Kombination aus Zucker, Süßstoffen, Aromen, Verdickungsmitteln und modifizierter Stärke ersetzt. Das Ergebnis: Ein Produkt, das zwar weniger Fett und Kalorien haben mag, aber oft eine lange Liste an künstlichen Zusatzstoffen aufweist und den Blutzuckerspiegel durch versteckten Zucker in die Höhe treiben kann. Anstatt Deinen Körper mit echten Nährstoffen zu versorgen, belastest Du ihn mit leeren Kalorien und chemischen Substanzen, deren langfristige Auswirkungen oft unklar sind.

Fallbeispiel der Verbraucherzentrale: Der Joghurt-Vergleich

Die Verbraucherzentrale hat es deutlich gemacht: Ein typischer Light-Fruchtjoghurt kann bis zu dreimal mehr verschiedene Zusatzstoffe enthalten als ein einfacher Naturjoghurt, den Du selbst mit frischen Früchten vom Wochenmarkt verfeinerst. Während die selbstgemachte Variante aus regionaler Vollmilch nur aus drei Zutaten besteht (Milch, Joghurtkulturen, Früchte), enthält die Light-Version oft eine Liste von zehn oder mehr Inhaltsstoffen, darunter Süßungsmittel wie Aspartam, künstliche Aromen und diverse Stabilisatoren. Das vollfette Original sättigt besser und liefert natürliche Nährstoffe, während die Light-Version oft Heißhunger auf mehr Süßes auslöst.

Die Lösung ist, zu den vollwertigen Originalen zurückzukehren. Ein cremiger Naturjoghurt aus Weidemilch, ein Stück echter Käse vom Hofladen oder Butter statt fettreduzierter Margarine. Diese Produkte sind natürlich, sättigen nachhaltig und liefern wertvolle fettlösliche Vitamine. Der Fokus auf unverarbeitete Lebensmittel vom Markt schützt Dich effektiv vor diesen versteckten Fallen.

Wann und wie kochen Sie vor, um die ungesunde Kantine zu vermeiden?

Der beste Wochenmarkt-Einkauf nützt wenig, wenn die frischen Schätze im Kühlschrank verderben, weil im Alltagsstress doch wieder der Griff zum Kantinenessen oder Lieferservice geht. Die Brücke zwischen gutem Vorsatz und gesunder Realität heißt „Meal Prep“ – das strategische Vorkochen. Der Trick ist nicht, ganze Gerichte für die Woche zu kochen, sondern flexible Basis-Komponenten vorzubereiten. Diese Methode der Kaskadennutzung macht Dich unter der Woche unglaublich schnell und kreativ.

Der ideale Zeitpunkt für die Vorbereitung ist das Wochenende, direkt nach Deinem Markteinkauf. Der Samstag gehört dem Einkauf, der Sonntag der Vorbereitung. Plane etwa zwei Stunden ein, in denen Du Musik hörst und entspannt schnippelst und kochst. Röste eine große Menge saisonales Wurzelgemüse (Karotten, Pastinaken, Rote Bete) auf einem Blech im Ofen. Koche eine große Portion Getreide wie Quinoa, Grünkern oder Buchweizen. Bereite ein oder zwei leckere Dressings oder Saucen vor und fülle sie in Schraubgläser. All diese Komponenten lagerst Du getrennt in Glasbehältern im Kühlschrank.

Vorbereitete Meal-Prep-Container mit buntem Gemüse und Getreide

Unter der Woche wird das Zusammenstellen Deiner Mahlzeiten zum Kinderspiel. Fürs Mittagessen im Büro kombinierst Du einfach eine Handvoll Getreide mit dem Röstgemüse, etwas frischem Grün und Deinem selbstgemachten Dressing. Abends kannst Du das gleiche Gemüse mit etwas Ziegenkäse überbacken oder die gekochten Hülsenfrüchte zu einem schnellen Eintopf verarbeiten. Diese modulare Vorbereitung spart Dir nicht nur täglich Zeit und Geld, sondern garantiert auch, dass Du Dich mittags wirklich nährstoffreich und ohne industrielle Zusatzstoffe ernährst.

Deine Meal-Prep-Strategie für die Woche:

  1. Samstag: Großeinkauf auf dem Wochenmarkt mit Fokus auf saisonalem Gemüse und Kräutern.
  2. Sonntag Vormittag: Bereite 2-3 Basis-Komponenten vor. Zum Beispiel:
    • Gemüse (z.B. Wurzelgemüse, Kürbis) in größeren Mengen auf einem Blech im Ofen rösten.
    • Getreide (z.B. Grünkern, Dinkel) und/oder Hülsenfrüchte (z.B. Linsen) in ausreichender Menge vorkochen.
    • Ein vielseitiges Kräuterdressing oder eine Tomatensauce in einem Schraubglas vorbereiten.
  3. Sonntag Abend: Alle vorbereiteten Komponenten in beschrifteten Glascontainern im Kühlschrank lagern. Dein Baukasten für die Woche ist fertig!

Wie hilft Ihnen das „Mindful Eating“ beim Abnehmen ohne Diät?

Wir essen oft nebenbei: vor dem Computer, beim Fernsehen, im Gehen. Dabei verlieren wir den wichtigsten Ratgeber für eine gesunde Ernährung aus den Augen – unseren eigenen Körper. „Mindful Eating“ oder achtsames Essen ist die Praxis, dem Essen unsere volle Aufmerksamkeit zu schenken. Es geht nicht darum, Kalorien zu zählen oder Lebensmittel zu verbieten, sondern darum, die Signale von Hunger und Sättigung wieder wahrzunehmen. Eine Meta-Analyse zahlreicher Studien zeigt sogar, dass achtsames Essen zu ähnlichen Abnehmerfolgen führen kann wie klassische Diätprogramme – aber mit einem entscheidenden Vorteil: Es ist nachhaltiger und führt zu einem entspannteren Verhältnis zum Essen.

Wenn Du langsam isst, gründlich kaust und jeden Bissen bewusst schmeckst, gibst Du Deinem Gehirn die nötigen 15-20 Minuten Zeit, um das Sättigungssignal zu empfangen. Du hörst auf zu essen, wenn Du angenehm satt bist, nicht wenn der Teller leer ist. Dieses Verhalten allein führt oft schon zu einer natürlichen Reduzierung der aufgenommenen Nahrungsmenge. Darüber hinaus hilft Achtsamkeit, emotionales Essen zu erkennen. Frag Dich vor dem Griff zum Snack: Habe ich wirklich Hunger oder bin ich gestresst, gelangweilt oder traurig? Dieser metabolische Schalter im Kopf ist oft wirksamer als jeder Diätplan.

Mit achtsamem Essen können Sie abnehmen und noch besser: das Gewicht auch dauerhaft halten. Beim Mindful Eating liegt der Fokus nicht auf einem bestimmten Gewichtsziel, sondern es geht um den Prozess des Essens selbst. Das führt meistens dazu, dass achtsame Esser weniger zu sich nehmen. Vor allem aber verhindert es, dass sie nur aus Stress oder Appetit, aber ohne echten Hunger essen.

– Live Smarter Blog, Eatsmarter.de

Achtsamkeit reduziert auch Stress, einen bekannten Faktor für Gewichtszunahme. Wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften belegt, kann die Praxis der Achtsamkeit den Spiegel des Stresshormons Cortisol senken. Ein niedrigerer Cortisolspiegel verringert Heißhungerattacken, besonders auf süße und fettige Speisen. Indem Du Deinen frisch auf dem Markt gekauften Apfel also nicht achtlos verschlingst, sondern ihn bewusst betrachtest, riechst und schmeckst, tust Du mehr für Deine Figur und Gesundheit als mit jeder Crash-Diät.

Wie lernen Sie eine Region über ihre traditionellen Gerichte und Märkte kennen?

Ein Wochenmarkt ist weit mehr als nur ein Ort zum Einkaufen. Er ist ein lebendiges Museum, eine soziale Bühne und der direkteste Weg, das kulinarische Terroir einer Region zu entdecken. Anstatt nur Deine Einkaufsliste abzuarbeiten, nutze Deinen nächsten Marktbesuch für eine Entdeckungsreise. Sprich mit den Händlern! Frage sie, woher genau ihre Produkte kommen, welche Sorte Apfel das ist und wie man sie am besten zubereitet. Du wirst erstaunt sein über das Wissen und die Leidenschaft, die hier geteilt werden.

Halte Ausschau nach Produkten mit geschützter geografischer Angabe (g.g.A.), wie Spreewälder Gurken oder Holsteiner Tilsiter. Diese Produkte sind tief in der Geschichte und Kultur ihrer Region verwurzelt. Trau Dich, alte und unbekannte Gemüsesorten zu probieren, die Du im Supermarkt niemals finden würdest – lila Karotten, gestreifte Bete oder die fast vergessene Pastinake. Recherchiere zu Hause traditionelle Rezepte für Deine „Beute“. So lernst Du nicht nur neue Geschmäcker kennen, sondern auch ein Stück Heimatgeschichte.

Checkliste für Deine kulinarische Entdeckungsreise

  1. Fragen stellen: Sprich mit den Händlern über die genaue Herkunft und Sorte ihrer Produkte. Frage nach Zubereitungstipps.
  2. Regionale Siegel erkunden: Halte Ausschau nach geschützten geografischen Angaben (g.g.A.) oder regionalen Qualitätssiegeln.
  3. Hofläden besuchen: Plane einen Ausflug direkt zum Erzeuger, um einen noch tieferen Einblick in die Landwirtschaft zu bekommen.
  4. Alte Sorten probieren: Kaufe bewusst eine Gemüse- oder Obstsorte, die Du noch nie zuvor gesehen hast, und lerne sie kennen.
  5. An SoLaWi teilnehmen: Informiere Dich über eine Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) in Deiner Nähe, um eine enge Bindung zu „Deinem“ Bauernhof aufzubauen.

Moderne Konzepte wie „Marktschwärmer“ verbinden diese traditionelle Nähe mit digitalem Komfort. Hier kannst Du online bei Erzeugern aus Deiner direkten Umgebung bestellen und holst Deinen Einkauf einmal pro Woche an einem zentralen Punkt in Deiner Nachbarschaft ab. Dies ermöglicht den direkten Kontakt und Austausch mit den Landwirten, auch wenn Du keine Zeit für einen ausgedehnten Marktbesuch hast. Essen wird so von einer Notwendigkeit zu einer spannenden und bereichernden kulturellen Erfahrung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität vor Siegel: Deutsche Anbauverbände wie Demeter und Bioland übertreffen die EU-Bio-Standards deutlich und stehen für eine ganzheitlichere, nachhaltigere Landwirtschaft.
  • Saisonale Intelligenz: Der Kauf von Obst und Gemüse zur Haupterntezeit ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern schont durch niedrigere Preise und bessere Qualität auch den Geldbeutel.
  • Weg mit den Mythen: Fettreduzierte „Light“-Produkte sind oft Zucker- und Zusatzstoffbomben. Echte, vollfette Lebensmittel vom Markt sättigen besser und sind nährstoffreicher.

Wie stärken Sie Ihr Immunsystem im deutschen Winter ohne teure Supplemente?

Wenn die Tage kürzer und kälter werden, greifen viele Menschen zu teuren Vitaminpillen und exotischen Superfoods, um ihr Immunsystem zu stärken. Doch die Natur hat uns direkt hier in Deutschland bestens für den Winter ausgestattet. Die Lösung liegt in unserem traditionellen Wintergemüse, das oft unterschätzt wird. Es ist robust, lagerfähig und steckt voller immunstärkender Nährstoffe – eine wahre regionale Superfood-Quelle.

An der Spitze steht der Grünkohl. Dieses unscheinbare Gemüse ist eine wahre Vitamin-C-Bombe. Während importierte Zitrusfrüchte oft unreif geerntet werden und auf langen Transportwegen an Vitaminen verlieren, liefert heimischer Grünkohl auf dem Höhepunkt seiner Saison maximale Nährstoffdichte. Schon 100g frischer Grünkohl können über 100mg Vitamin C enthalten und damit den gesamten Tagesbedarf eines Erwachsenen decken. Auch andere Kohlsorten wie Rot- und Weißkohl, sowie Wurzelgemüse wie Schwarzwurzel und Pastinake sind reich an Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen, die unsere Abwehrkräfte unterstützen.

Fallbeispiel Fermentation: Tradition trifft moderne Wissenschaft

Eine alte deutsche Tradition zur Konservierung von Gemüse erlebt eine Renaissance: die Fermentation. Sauerkraut, das klassische fermentierte Weißkraut, ist nicht nur lange haltbar, sondern auch eine hervorragende Quelle für probiotische Milchsäurebakterien. Diese lebenden Kulturen unterstützen eine gesunde Darmflora, die das Zentrum unseres Immunsystems ist. Ein gesunder Darm kann Krankheitserreger effektiver abwehren. Sauerkraut vom Wochenmarkt, das oft noch auf traditionelle Weise im Fass hergestellt wird, ist eine natürliche und weitaus wirksamere probiotische Quelle als viele teure Kapseln aus der Apotheke.

Indem Du Deinen Speiseplan im Winter bewusst auf diese regionalen Kraftpakete ausrichtest, versorgst Du Deinen Körper optimal mit allem, was er braucht. Eine wärmende Suppe aus Kürbis und Karotten, ein deftiger Grünkohleintopf oder ein knackiger Rotkohlsalat sind nicht nur köstlich, sondern die beste und günstigste Versicherung für ein starkes Immunsystem – ganz ohne Pillen und weite Transportwege. So wird die kalte Jahreszeit zu einer Zeit des Genusses und der Stärkung von innen heraus.

Häufige Fragen zur regionalen Ernährung vom Wochenmarkt

Wie bekomme ich genug Protein aus regionalen pflanzlichen Quellen?

Hervorragende pflanzliche Proteinquellen aus deutschem Anbau sind Linsen, insbesondere von der Schwäbischen Alb, sowie regional angebaute Bohnen, Erbsen und Ackerbohnen. Auch Vollkornprodukte wie Dinkel, Grünkern oder Hafer vom lokalen Müller liefern einen wichtigen Beitrag. Die Kombination von Hülsenfrüchten und Getreide in einer Mahlzeit sorgt für ein vollständiges Aminosäureprofil.

Welche regionalen Lebensmittel helfen bei Vitamin D-Mangel im Winter?

Die Vitamin-D-Versorgung allein durch die Ernährung ist in Deutschland schwierig, da unsere Haut das Vitamin hauptsächlich durch Sonnenlicht bildet. Regionale Lebensmittel können jedoch einen Beitrag leisten. Dazu gehören fettreicher Fisch aus deutscher Zucht (z.B. Forelle oder Karpfen), Pilze (insbesondere wenn sie kurz dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden) und mit Vitamin D angereicherte Milchprodukte von regionalen Molkereien.

Ist Fleisch vom Wochenmarkt gesünder als aus dem Supermarkt?

Oft ja. Fleisch von regionalen Weidebetrieben, das Du auf dem Wochenmarkt oder im Hofladen findest, stammt häufig von Tieren, die artgerechter gehalten wurden und Gras fressen konnten. Dies führt in der Regel zu einer besseren Fettsäurezusammensetzung (mehr Omega-3-Fettsäuren) im Fleisch. Zudem kannst Du den Erzeuger direkt nach Haltung und Fütterung fragen, was für eine Transparenz sorgt, die im Supermarkt selten ist.

Geschrieben von Dr. med. Katharina Vogel, Fachanwältin für Allgemeinmedizin und Präventologin mit eigener Praxis. Expertin für Stressmedizin, Schlafhygiene und betriebliches Gesundheitsmanagement.