
Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist der Schlüssel, um nicht nur 5 % mehr Förderung zu erhalten, sondern vor allem, um kostspielige Fehlinvestitionen bei der energetischen Sanierung zu vermeiden.
- Er legt die physikalisch und finanziell einzig sinnvolle Reihenfolge fest: erst die Hülle (Dämmung), dann die Technik (Heizung).
- Er macht Ihr Haus „Wärmepumpen-ready“ und schützt Sie vor Folgeschäden wie Schimmel durch falsch priorisierte Maßnahmen.
Empfehlung: Nutzen Sie den iSFP als strategische Versicherung, um den Wert Ihrer Immobilie langfristig zu steigern und maximale Zuschüsse vom Staat zu sichern.
Das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG), oft als „Heizungsgesetz“ bezeichnet, hat bei vielen Hausbesitzern für erhebliche Verunsicherung gesorgt. Die Flut an Informationen über Wärmepumpen, Dämmvorschriften und Förderbedingungen ist kaum zu überblicken. Viele greifen zu naheliegenden, aber oft falschen Lösungen: schnell die alte Heizung ersetzen oder neue Fenster einbauen, in der Hoffnung, das Richtige zu tun. Doch dieser Aktionismus führt häufig zu teuren Fehlinvestitionen und im schlimmsten Fall sogar zu Bauschäden.
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, eine einzelne Maßnahme umzusetzen, sondern Ihr Haus als ein Gesamtsystem zu verstehen. Genau hier setzt der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) an. Weit mehr als nur ein bürokratisches Dokument zur Erlangung eines Förderbonus, ist der iSFP Ihre strategische Versicherung gegen Fehlentscheidungen. Er zwingt zu einem ganzheitlichen Blick und deckt die kritischen Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Sanierungsschritten auf. Die richtige Reihenfolge ist kein Vorschlag, sondern ein physikalischer und finanzieller Zwang, um das volle Potenzial Ihrer Immobilie zu heben.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Fragen, die der iSFP beantwortet. Wir beleuchten, warum die Reihenfolge der Maßnahmen so kritisch ist, wie Sie Ihr Haus auf die Zukunft vorbereiten und wie Sie dabei nicht nur Fehler vermeiden, sondern auch Tausende von Euro an zusätzlicher Förderung sichern. Verstehen Sie den iSFP als den wichtigsten Werthebel für Ihre Immobilie in den kommenden Jahren.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Wegweiser zur optimalen Sanierungsstrategie
- Warum sollten Sie erst dämmen und dann die Heizung tauschen?
- Wie prüfen Sie, ob Ihr Haus „Wärmepumpen-ready“ ist, ohne teure Gutachten?
- Schrittweise sanieren oder alles auf einmal: Was ist finanziell tragbarer?
- Das Schimmelrisiko nach Fenstertausch ohne Lüftungskonzept
- Wann lohnt sich ein Batteriespeicher zur Maximierung des Eigenverbrauchs wirklich?
- Abreißen oder Kernsanieren: Was ist ökologisch und ökonomisch sinnvoller?
- Warum ist kontrollierte Lüftung hygienischer als Fensterlüftung?
- Wie funktioniert ein Passivhaus ohne klassische Heizung im deutschen Winter?
Warum sollten Sie erst dämmen und dann die Heizung tauschen?
Die wohl häufigste und teuerste Fehlinvestition bei der energetischen Sanierung ist der voreilige Tausch der Heizungsanlage. Die Logik „erst die Hülle, dann die Technik“ ist keine bloße Empfehlung, sondern ein fundamentaler Grundsatz der Bauphysik und der wirtschaftlichen Vernunft. Eine moderne Heizung, insbesondere eine Wärmepumpe, kann ihre Effizienz nur in einem Gebäude mit geringem Wärmeverlust voll ausspielen. Wird eine leistungsstarke neue Heizung in ein ungedämmtes Haus eingebaut, ist sie systematisch überdimensioniert. Sie taktet häufig, verbraucht unnötig viel Energie und verschleißt schneller.
Der entscheidende Faktor ist die sogenannte Heizlast – also die Energiemenge, die benötigt wird, um das Gebäude auf einer gewünschten Temperatur zu halten. Durch eine Dämmung der Fassade, des Daches und den Austausch alter Fenster senken Sie diese Heizlast drastisch. Erst auf Basis dieser neuen, reduzierten Heizlast kann die neue Heizung passgenau dimensioniert werden. Dies führt nicht nur zu geringeren Anschaffungskosten für ein kleineres Gerät, sondern vor allem zu signifikant niedrigeren Betriebskosten über Jahrzehnte. Die Effizienz einer Wärmepumpe, gemessen in der Jahresarbeitszahl (JAZ), verbessert sich dramatisch, je niedriger die benötigte Vorlauftemperatur ist – ein direktes Ergebnis guter Dämmung. Studien zeigen, dass Sole-Wasser-Wärmepumpen in optimierten Systemen eine JAZ von 4,1 erreichen können, während weniger ideale Bedingungen oft nur Werte um 3,1 zulassen.
Das Ignorieren dieser Reihenfolge ist der direkte Weg in eine Kostenfalle. Sie zahlen für eine zu große Heizung und für zu hohe Energiekosten. Ein iSFP verhindert diesen Fehler, indem er eine genaue Heizlastberechnung nach der Dämmung zur Grundlage der Heizungsplanung macht und so das Prinzip des Systemdenkens in die Praxis umsetzt.
Ihr Plan zur optimalen Heizlastberechnung: Die 4 entscheidenden Schritte
- Gebäudedaten aufnehmen: Ein zertifizierter Energieexperte erfasst systematisch alle relevanten Daten Ihrer Immobilie vor Ort, von der Bauweise bis zu den verwendeten Materialien.
- Räume exakt vermessen: Die gesamte Wohn- und Nutzfläche sowie das Gebäudevolumen werden präzise ermittelt, um eine genaue Berechnungsgrundlage zu schaffen.
- Heizkörper erfassen & bewerten: Es wird geprüft, ob die vorhandenen Heizflächen (Heizkörper, Fußbodenheizung) für den Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen einer Wärmepumpe geeignet sind.
- Berechnung per DIN-Software: Alle erfassten Werte werden in ein zertifiziertes Software-Tool nach DIN EN 12831 übertragen, das die exakte Heizlast für jeden Raum und das gesamte Gebäude ermittelt.
Wie prüfen Sie, ob Ihr Haus „Wärmepumpen-ready“ ist, ohne teure Gutachten?
Die Frage, ob das eigene, oft ältere Haus für eine Wärmepumpe geeignet ist, treibt viele um. Die Sorge vor hohen Kosten für Gutachten oder der Notwendigkeit, alle Heizkörper austauschen zu müssen, ist groß. Zwar kann nur eine professionelle Heizlastberechnung (siehe vorheriger Abschnitt) eine endgültige Antwort geben, doch es gibt einen einfachen und kostenlosen Praxistest, den Sie selbst durchführen können, um eine erste, sehr gute Einschätzung zu erhalten.
Dieser Test simuliert die Betriebsbedingungen einer Wärmepumpe, die am effizientesten mit niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitet. Eine Vorlauftemperatur von maximal 55 Grad Celsius gilt hier als kritische Marke für den effizienten Betrieb in Bestandsgebäuden.
Praxistest zur Eignung für Wärmepumpen: Eine einfache Anleitung
Führen Sie diesen Test an einem kalten Wintertag durch (Außentemperatur idealerweise unter 5 Grad Celsius). Regeln Sie an Ihrer bestehenden Heizungsanlage die maximale Vorlauftemperatur manuell auf 55 Grad herunter. Drehen Sie anschließend die Thermostate aller Heizkörper im gesamten Haus vollständig auf (Stufe 5). Warten Sie einige Stunden und beobachten Sie, ob alle Räume eine für Sie angenehme Wohntemperatur erreichen (z.B. 20-21 Grad). Ist dies der Fall, ist das ein sehr starkes Indiz dafür, dass Ihr Gebäude- und Heizsystem grundsätzlich für den Betrieb mit einer Wärmepumpe geeignet ist.
Dieser Test gibt Ihnen eine wertvolle erste Orientierung. Erreicht Ihr Haus die gewünschte Temperatur nicht, deutet das darauf hin, dass entweder die Heizlast des Gebäudes zu hoch ist (Handlungsbedarf bei der Dämmung) oder die vorhandenen Heizkörper zu klein sind, um mit der niedrigeren Temperatur genügend Wärme abzugeben. Moderne Niedertemperatur-Heizkörper haben eine deutlich größere Oberfläche als alte Rippenheizkörper, um die Wärme effizienter an den Raum zu übertragen.

Die visuelle Gegenüberstellung macht deutlich, wie unterschiedliche Heizkörpertypen die Wärmeabgabe beeinflussen. Ein iSFP bewertet nicht nur die Dämmung, sondern auch das Heizverteilsystem und zeigt auf, wo gezielte Verbesserungen den Weg für eine effiziente Wärmepumpe ebnen.
Schrittweise sanieren oder alles auf einmal: Was ist finanziell tragbarer?
Die Entscheidung zwischen einer Komplettsanierung in einem Zug und einer schrittweisen Umsetzung über mehrere Jahre ist eine der zentralsten strategischen Fragen für jeden Hausbesitzer. Eine Komplettsanierung kann zwar durch Synergieeffekte (z.B. nur ein Gerüstaufbau) und eine kürzere Bauphase attraktiv sein, ist aber mit einer sehr hohen Anfangsinvestition verbunden. Für die meisten Haushalte ist der finanzielle Aufwand einer schrittweisen Sanierung deutlich tragbarer.
Genau für dieses Szenario wurde der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) konzipiert. Er ist das perfekte Instrument, um eine langfristige, in sich stimmige und finanziell planbare Sanierung zu ermöglichen. Der iSFP zerlegt das Gesamtprojekt in logische, aufeinander aufbauende Maßnahmenpakete, die über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren umgesetzt werden können. Der entscheidende Vorteil: Für jede im iSFP vorgesehene Maßnahme an der Gebäudehülle erhalten Sie einen zusätzlichen Förderbonus.
Konkret bedeutet dies, dass sich der reguläre Fördersatz der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) durch den sogenannten iSFP-Bonus erhöht. So werden aus 15 % Grundförderung für Dämmmaßnahmen oder neue Fenster plötzlich 20 %. Diese 5 % Zusatzförderung sind der direkte finanzielle Anreiz des Staates, Sanierungen strategisch und geplant anzugehen, statt impulsiv zu handeln. Noch wichtiger ist jedoch, dass sich durch den iSFP auch die maximal förderfähigen Kosten pro Wohneinheit und Jahr verdoppeln, was den finanziellen Hebel enorm vergrößert.
Die folgende Tabelle zeigt den Unterschied am Beispiel einer Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle, wie sie von Experten für Energieeffizienz analysiert wurde.
| Kriterium | Ohne iSFP | Mit iSFP |
|---|---|---|
| Grundförderung | 15% | 20% |
| Max. förderfähige Kosten | 30.000 € | 60.000 € |
| Max. Fördersumme | 4.500 € | 12.000 € |
| Gültigkeit | – | 15 Jahre |
Die Zahlen sprechen für sich: Der iSFP macht eine schrittweise Sanierung nicht nur planbar, sondern finanziell erheblich attraktiver. Er ist der Schlüssel, um auch mit einem begrenzten jährlichen Budget eine umfassende energetische Modernisierung zu realisieren und die maximale staatliche Unterstützung zu erhalten.
Das Schimmelrisiko nach Fenstertausch ohne Lüftungskonzept
Der Austausch alter, undichter Fenster gegen moderne, hochisolierte Modelle ist eine der beliebtesten Einzelmaßnahmen. Sie verspricht Energieeinsparungen und mehr Wohnkomfort. Doch ohne eine ganzheitliche Betrachtung der Gebäudehülle birgt dieser Schritt ein erhebliches und oft unterschätztes Risiko: die Bildung von Schimmel. Das Problem entsteht durch eine Verschiebung des physikalischen Gleichgewichts im Gebäude.
Alte Fenster waren undicht und sorgten für einen unfreiwilligen, aber stetigen Luftaustausch. Die Feuchtigkeit aus der Raumluft (durch Atmen, Kochen, Duschen) konnte so entweichen. Neue Fenster hingegen dichten das Gebäude fast hermetisch ab. Die Feuchtigkeit bleibt im Raum. Gleichzeitig ist nach dem Fenstertausch nicht mehr das Fenster die kälteste Oberfläche im Raum, sondern die ungedämmte Außenwand, insbesondere in den Ecken und Nischen. An diesen Kältebrücken kühlt die feuchte Raumluft ab, der Taupunkt wird unterschritten und Wasser kondensiert an der Wand – der ideale Nährboden für Schimmelpilze.
Dieses Phänomen ist so kritisch, dass die DIN-Norm 1946-6 bei einem Austausch von mehr als einem Drittel der Fensterflächen in einem Gebäude ein verbindliches Lüftungskonzept vorschreibt. Dieses Konzept stellt sicher, dass der zum Feuchteschutz notwendige Mindestluftwechsel gewährleistet ist. Die Lösung kann von einfachen Fensterfalzlüftern bis hin zu einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung reichen. Die Autorität von Verbraucherschutzorganisationen unterstreicht diese Gefahr. Wie Helge Pfingst von der Energieberatung der Verbraucherzentrale NRW warnt, ist das Risiko real:
Die Fenster auszutauschen, ohne die Fassade zu dämmen oder eine Lüftungsanlage einzubauen, erhöht das Risiko für Feuchte und Schimmel deutlich.
– Helge Pfingst, Verbraucherzentrale NRW – Energieberatung

Die Wärmebildaufnahme visualisiert das Problem eindrücklich: Während das neue Fenster gut isoliert ist (blaue/dunkle Farben), wird die angrenzende Wandecke zur kältesten Stelle (rote/helle Farben im Invers-Modus), an der die Feuchtigkeit kondensiert. Ein iSFP verhindert diese Art von Bauschäden, indem er Maßnahmen koppelt und immer ein Lüftungskonzept fordert, wenn die Dichtheit der Gebäudehülle signifikant verändert wird. Er schützt so nicht nur Ihren Geldbeutel, sondern auch Ihre Gesundheit.
Wann lohnt sich ein Batteriespeicher zur Maximierung des Eigenverbrauchs wirklich?
Mit dem Boom der Photovoltaik-Anlagen (PV) rückt auch der Batteriespeicher immer mehr in den Fokus. Die Idee, den tagsüber erzeugten Solarstrom zu speichern und abends oder nachts selbst zu verbrauchen, ist verlockend. Sie verspricht mehr Unabhängigkeit vom Stromnetz und Schutz vor steigenden Strompreisen. Doch die Frage der Wirtschaftlichkeit ist komplex und ein Speicher ist nicht für jeden Haushalt die richtige Lösung. Die Entscheidung für oder gegen einen Speicher ist eine klassische „Es kommt darauf an“-Frage.
Die Rentabilität eines Heimspeichers hängt von drei Hauptfaktoren ab: den Anschaffungskosten, der Höhe der Einspeisevergütung und dem individuellen Lastprofil des Haushalts. Die Anschaffungskosten für Speicher sind in den letzten Jahren zwar gesunken, aber immer noch erheblich. Gleichzeitig ist die gesetzliche Einspeisevergütung für überschüssigen Strom, den man ins Netz abgibt, sehr niedrig. Je größer die Differenz zwischen dem teuren Netzstrom, den Sie einkaufen, und der geringen Vergütung, die Sie für den Verkauf erhalten, desto mehr lohnt es sich, den eigenen Strom selbst zu nutzen.
Hier kommt das Lastprofil ins Spiel. Ein Haushalt, der den meisten Strom tagsüber verbraucht, wenn die PV-Anlage ohnehin produziert (z.B. im Home-Office), hat wenig Bedarf, Energie zu speichern. Die Rentabilität eines Speichers ist hier gering. Ganz anders sieht es bei einer Familie aus, bei der der Stromverbrauch morgens und vor allem abends in die Höhe schnellt, wenn gekocht, gewaschen und ferngesehen wird – also genau dann, wenn die Sonne nicht mehr scheint. In diesem Fall kann ein Speicher seine Stärken ausspielen, indem er die teuren Verbrauchsspitzen am Abend mit günstigem, selbst erzeugtem Solarstrom deckt. Er verschiebt die Energie von der Mittagszeit in den Abend.
Bevor Sie investieren, sollten Sie jedoch Alternativen prüfen. Oft ist es wirtschaftlicher, den Überschussstrom direkt zu verbrauchen. Dies kann durch intelligentes Management von Großverbrauchern wie der Wärmepumpe oder dem Laden des E-Autos geschehen, die gezielt dann laufen, wenn die Sonne scheint. Ein iSFP kann helfen, das eigene Lastprofil zu analysieren und die wirklich wirtschaftlichste Lösung zur Maximierung des Eigenverbrauchs zu finden – ob mit oder ohne Batteriespeicher.
Abreißen oder Kernsanieren: Was ist ökologisch und ökonomisch sinnvoller?
Bei älteren Immobilien mit sehr schlechter Bausubstanz stellt sich oft die radikale Frage: die bestehende Struktur erhalten und von Grund auf modernisieren (Kernsanierung) oder komplett abreißen und neu bauen? Beide Wege haben tiefgreifende ökologische und ökonomische Konsequenzen, die über den reinen Energieverbrauch im Betrieb hinausgehen.
Ökologisch betrachtet, hat die Sanierung fast immer die Nase vorn. Der Grund liegt in der sogenannten „grauen Energie“. Dies ist die Energiemenge, die für Herstellung, Transport und Entsorgung von Baumaterialien aufgewendet wird. Ein Neubau startet mit einem riesigen ökologischen Rucksack. Die Produktion von Zement, Stahl und Dämmstoffen ist extrem energieintensiv. Selbst wenn der Neubau später sehr energieeffizient ist, muss er diesen anfänglichen CO₂-Ausstoß erst über Jahrzehnte im Betrieb wieder „einsparen“. Das Umweltbundesamt bestätigt, dass ein Neubau oft 50 bis 80 Jahre benötigt, um seinen CO₂-Rucksack im Vergleich zu einem sanierten Altbau allein durch geringere Betriebsemissionen zu kompensieren. Die Sanierung nutzt die bereits vorhandene graue Energie der Bausubstanz und ist damit ressourcenschonender.
Ökonomisch ist das Bild differenzierter, aber auch hier hat die Sanierung oft unerwartete Vorteile. Ein entscheidender Punkt ist der Bestandsschutz. Ein bestehendes Gebäude genießt oft rechtliche Vorteile, die bei einem Neubau verloren gehen würden. Dies kann die Bebaubarkeit des Grundstücks betreffen, wie ein Erfahrungsbericht aus der Praxis verdeutlicht:
Eine Kernsanierung profitiert oft vom Bestandsschutz, was architektonisch und finanziell vorteilhaft sein kann – etwa bei der Bebauung von Grundstücksgrenzen, die bei einem Neubau nicht mehr möglich wäre.
Zudem können bei einer Sanierung Kosten oft besser über die Zeit verteilt werden (siehe schrittweises Sanieren). Ein Abriss und Neubau erfordert eine massive Einmalinvestition und ist oft mit höheren administrativen Hürden bei der Baugenehmigung verbunden. Ein iSFP hilft bei dieser schwierigen Entscheidung, indem er die Sanierungsfähigkeit der bestehenden Substanz bewertet und die langfristigen Kosten und Potenziale beider Szenarien gegenüberstellt.
Warum ist kontrollierte Lüftung hygienischer als Fensterlüftung?
Das regelmäßige Lüften von Wohnräumen ist essenziell für unsere Gesundheit und den Schutz der Bausubstanz. Traditionell geschieht dies durch das Öffnen der Fenster (Stoß- oder Querlüften). In modernen oder sanierten, dichten Gebäuden gewinnt jedoch die kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) an Bedeutung – und das aus guten hygienischen Gründen. Eine KWL ist dem manuellen Lüften in mehreren Aspekten überlegen.
Der offensichtlichste Vorteil sind die integrierten Filter. Während beim Fensterlüften Pollen, Feinstaub, Insekten und anderer Schmutz von außen ungehindert in die Wohnung gelangen, reinigt eine KWL die zugeführte Frischluft. Hochwertige Filter (z.B. F7-Filter) können selbst feinste Partikel und Allergene aus der Luft entfernen. Das ist nicht nur ein Segen für Allergiker, sondern verbessert die allgemeine Luftqualität für alle Bewohner erheblich.
Zweitens sorgt eine KWL für einen kontinuierlichen und bedarfsgerechten Luftaustausch. Manuelles Lüften ist ein Kompromiss: Entweder man lüftet zu kurz und die verbrauchte, feuchte Luft wird nicht ausreichend abtransportiert, oder man lüftet zu lange und kühlt die Räume im Winter stark aus, was Energieverschwendung bedeutet. Eine KWL hingegen sorgt 24 Stunden am Tag für einen definierten Mindestluftwechsel, der Feuchtigkeit und Schadstoffe (wie CO₂ und VOCs) zuverlässig abführt, ohne dass die Bewohner daran denken müssen. Dies verhindert die Bildung von Schimmel und sorgt für ein konstant frisches und gesundes Raumklima.
Drittens vermeidet eine KWL die Nachteile der Fensterlüftung wie Zugluft, Lärmbelästigung von außen und ein erhöhtes Einbruchrisiko bei gekippten Fenstern. Der hygienische Mehrwert einer kontrollierten Lüftung liegt also in der Kombination aus gefilterter, sauberer Zuluft und einem stetigen, zuverlässigen Abtransport von Feuchte und Schadstoffen – ein Komfort- und Gesundheitsgewinn, den manuelles Lüften nicht in dieser Konsequenz erreichen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Systemdenken ist entscheidend: Betrachten Sie Ihr Haus als ein vernetztes System, nicht als eine Summe von Einzelteilen, um teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.
- Die richtige Reihenfolge (Hülle vor Technik): Dämmen Sie zuerst die Gebäudehülle, um die Heizlast zu senken, bevor Sie eine neue, passgenaue Heizung installieren.
- Der iSFP als Werthebel: Der Sanierungsfahrplan maximiert nicht nur die staatliche Förderung um 5% und mehr, sondern minimiert auch technische und finanzielle Risiken.
Wie funktioniert ein Passivhaus ohne klassische Heizung im deutschen Winter?
Die Vorstellung eines Hauses, das selbst im kältesten deutschen Winter ohne eine traditionelle Heizungsanlage mit Heizkörpern auskommt, fasziniert und wirft Fragen auf. Das Passivhaus ist das Paradebeispiel für konsequentes Systemdenken in der Bautechnik. Es funktioniert nicht durch eine einzelne Wundertechnologie, sondern durch das perfekte Zusammenspiel von drei optimierten Komponenten, die den Wärmeverlust auf ein absolutes Minimum reduzieren.
Die erste Säule ist eine hochleistungsfähige Wärmedämmung kombiniert mit einer nahezu vollständig luftdichten Gebäudehülle. Jeder Teil des Hauses, der an die Außenwelt grenzt – Wände, Dach, Bodenplatte – ist in eine dicke Dämmschicht gehüllt, die Wärmebrücken eliminiert. Spezielle Dreifach-Verglasungen und gedämmte Fensterrahmen tragen ebenfalls dazu bei. Die Luftdichtheit wird durch einen sogenannten „Blower-Door-Test“ nachgewiesen und ist entscheidend, um unkontrollierte Wärmeverluste durch Fugen und Ritzen zu verhindern.
Die zweite Säule sind die passiven Wärmegewinne. Große, nach Süden ausgerichtete Fensterflächen lassen im Winter, wenn die Sonne tief steht, viel solare Energie ins Haus. Diese kostenlose Sonnenwärme wird von den massiven Bauteilen (Böden, Wände) gespeichert und zeitversetzt wieder an die Räume abgegeben. Im Sommer verhindern hingegen Dachüberstände oder außenliegender Sonnenschutz eine Überhitzung, wenn die Sonne hoch am Himmel steht.
Die dritte und technisch entscheidende Säule ist die kontrollierte Wohnraumlüftung mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung. Sie ist die „Lunge“ und gleichzeitig die „Mini-Heizung“ des Hauses. Das Prinzip ist genial einfach, wie ein praktisches Beispiel zeigt:
Praxisbeispiel Wärmerückgewinnung: Die Föhn-Heizung
Die verbrauchte, 20°C warme Abluft aus Küche und Bad wird nicht einfach nach draußen geblasen. Stattdessen wird sie durch einen Wärmetauscher geführt. Gleichzeitig wird eiskalte, 0°C kalte Frischluft von außen angesaugt und durch denselben Wärmetauscher geleitet, ohne sich mit der Abluft zu vermischen. Die warme Abluft heizt dabei die kalte Zuluft auf etwa 18°C auf. Die restliche, geringe Temperaturdifferenz zur gewünschten Raumtemperatur wird durch ein winziges elektrisches Nachheizregister gedeckt, das oft nur eine Leistung von 1-2 kW hat – vergleichbar mit einem Haartrockner.
Die Summe aus den internen Gewinnen (Körperwärme der Bewohner, Abwärme von Elektrogeräten), den passiven Solargewinnen und der minimalen Nacherwärmung der Zuluft reicht aus, um das Haus das ganze Jahr über komfortabel warm zu halten. Ein Passivhaus beweist eindrucksvoll, dass durchdachte Planung und Systemoptimierung eine konventionelle Heizung überflüssig machen können.
Häufig gestellte Fragen zum Thema energetische Sanierung
Wie lange dauert die Amortisation eines Heimspeichers?
Bei aktuellen Anschaffungspreisen und geringer Einspeisevergütung amortisiert sich ein Heimspeicher oft erst nach 12-15 Jahren. Die Wirtschaftlichkeit muss daher sorgfältig und individuell geprüft werden.
Welches Lastprofil macht einen Speicher rentabel?
Ein hohes Lastprofil am Abend, wie es typischerweise bei Familien mit Kindern auftritt, erhöht die Rentabilität drastisch. Bei einem hohen Stromverbrauch während des Tages, wenn die PV-Anlage ohnehin Strom liefert, ist der Nutzen eines Speichers hingegen gering.
Gibt es Alternativen zum Batteriespeicher?
Ja, es ist oft wirtschaftlicher, überschüssigen Solarstrom direkt zu nutzen. Dies kann durch intelligentes Management von Großverbrauchern wie einer Wärmepumpe oder durch das gezielte Laden eines Elektroautos während der Sonnenstunden geschehen.
Die energetische Sanierung Ihres Hauses ist eines der wichtigsten und wertvollsten Projekte, die Sie als Immobilienbesitzer angehen können. Ein strategisches Vorgehen auf Basis eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) ist dabei kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Er schützt Sie vor teuren Fehlern, sichert Ihnen die maximale staatliche Förderung und macht Ihr Zuhause fit für eine nachhaltige und kostengünstige Zukunft. Der erste und wichtigste Schritt auf diesem Weg ist, einen zertifizierten und in der Energie-Effizienz-Experten-Liste des Bundes geführten Berater zu finden. Er ist Ihr Partner bei der Erstellung des iSFP und stellt sicher, dass Ihr Sanierungsprojekt auf einem soliden, zukunftssicheren Fundament steht.