
Die Wahl der richtigen Lern-App hängt weniger von Hochglanz-Features ab als von ihrem nachweisbaren pädagogischen Mehrwert und Ihrer Fähigkeit, diesen kritisch zu prüfen.
- Gute Lern-Apps fördern aktives Engagement statt passiven Konsum und nutzen Gamification gezielt, um die intrinsische Motivation zu stärken.
- Das Bezahlmodell ist ein entscheidender Indikator: „Kostenlos“ bedeutet oft, Sie bezahlen mit den Daten Ihres Kindes, während transparente Abos meist mehr Datenschutz und Qualität bieten.
Empfehlung: Erstellen Sie vor dem Download einer App ein klares Lernprofil für Ihr Kind und nutzen Sie eine Datenschutz-Checkliste, um die Seriosität des Anbieters zu überprüfen.
Das Zeugnis ist da und die Note in Mathe oder Englisch bereitet Sorgen. Der erste Gedanke vieler Eltern ist klassische Nachhilfe, doch feste Termine und hohe Kosten sind oft eine Hürde. Der App-Store scheint die perfekte Lösung zu bieten: Eine schier unendliche Auswahl an Lern-Apps verspricht schnelle Erfolge, spielerisches Lernen und maximale Flexibilität. Doch dieser digitale Dschungel ist für Eltern oft schwer zu durchblicken. Zwischen bunten Maskottchen, Punktesystemen und Influencer-Videos stellt sich die entscheidende Frage: Was davon ist nur Unterhaltung und was echter pädagogischer Mehrwert?
Die üblichen Ratschläge, auf Bewertungen zu achten oder eine „beliebte“ App zu wählen, greifen zu kurz. Sie beantworten nicht, ob die Inhalte wirklich zum Lehrplan in Bayern oder Nordrhein-Westfalen passen oder ob eine „kostenlose“ App die Daten Ihres Kindes für Werbezwecke nutzt. Die wahre Herausforderung liegt nicht darin, eine App zu finden, sondern darin, die Fähigkeit zu entwickeln, eine App kritisch zu bewerten. Aber was, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, der App mit den meisten Downloads zu vertrauen, sondern zu lernen, wie ein Medienpädagoge zu denken und die Spreu vom Weizen zu trennen?
Dieser Leitfaden gibt Ihnen genau dieses Rüstzeug an die Hand. Wir werden nicht einfach Apps auflisten. Stattdessen analysieren wir die Mechanismen dahinter: Wir beleuchten, warum Ihr Kind bei manchen Formaten abschaltet, während andere die Motivation entfachen. Wir entschlüsseln, was Sie bei „kostenlosen“ Angeboten wirklich bezahlen, und zeigen Ihnen, wann eine digitale Lösung den klassischen Nachhilfelehrer sogar übertreffen kann. So werden Sie vom Suchenden zum kompetenten Entscheider für den Bildungserfolg Ihres Kindes.
Um Ihnen eine klare Struktur für diese wichtige Entscheidung zu geben, führt Sie dieser Artikel durch die entscheidenden Bewertungskriterien. Der folgende Sommaire gibt Ihnen einen Überblick über die Themen, die wir gemeinsam analysieren werden.
Sommaire: Der Leitfaden zur Auswahl der passenden digitalen Nachhilfe
- Animierte Videos oder Influencer-Style: Was motiviert Teenager mehr?
- Warum lernen Kinder Vokabeln schneller, wenn es Punkte und Level gibt?
- Kostenlos oder Abo: Womit bezahlen Sie wirklich (Daten vs. Geld)?
- Das Risiko, wenn digitales Lernen in passiven Medienkonsum abgleitet
- Wann ist eine Online-Nachhilfe effektiver als der klassische Nachhilfelehrer?
- Wie überwinden Sie die Hemmung, mit 50 noch Englisch oder Spanisch zu lernen?
- Bahn, Roller und Bus: Welche App verknüpft alle Verkehrsmittel nahtlos?
- Wie entwickeln Sie einen digitalen Schulungsplan für Mitarbeiter über 50?
Animierte Videos oder Influencer-Style: Was motiviert Teenager mehr?
Die Frage nach dem „richtigen“ Videostil ist für Eltern oft ein Rätsel. Auf der einen Seite stehen hochprofessionelle, animierte Erklärvideos, die komplexe Sachverhalte wie die Mitose oder das Periodensystem visuell ansprechend zerlegen. Auf der anderen Seite fesseln junge YouTuber im „Influencer-Style“ mit lockerer Sprache und scheinbar authentischer Nähe ein Millionenpublikum. Die Antwort ist jedoch kein Entweder-oder. Entscheidend ist die Kombination aus fachlicher Korrektheit und zielgruppengerechter Ansprache.
Für Teenager spielt die Identifikation eine große Rolle. Ein Lehrer im Influencer-Stil, der ihre Sprache spricht und Probleme auf Augenhöhe erklärt, kann Lernblockaden lösen. Doch die größte Gefahr hierbei ist die fachliche Oberflächlichkeit. Animierte Videos bieten hingegen oft eine höhere didaktische Dichte und Präzision. Sie können abstrakte Konzepte visualisieren, die eine einzelne Person vor der Kamera nur schwer vermitteln kann. Der Nachteil: Sie können steril und unpersönlich wirken, was die Motivation senken kann.

Die erfolgreichsten deutschen Lernplattformen wie simpleclub haben diesen Konflikt längst gelöst. Die Gründer, selbst als „Lern-Influencer“ gestartet, kombinieren eine jugendliche, direkte Ansprache mit professionell produzierten Animationen. Dieses Hybridmodell zeigt, dass es nicht auf den Stil ankommt, sondern auf die Qualität. Als Eltern sollten Sie bei der Bewertung von Lernvideos auf Kriterien wie einen klaren logischen Aufbau, eine angemessene Länge (meist unter 8 Minuten) und vor allem die überprüfbare Qualifikation des Erstellers achten.
Warum lernen Kinder Vokabeln schneller, wenn es Punkte und Level gibt?
Wenn das Sammeln von Punkten für richtige Antworten mehr motiviert als die Aussicht auf eine gute Note, liegt das an einem mächtigen psychologischen Prinzip: der Gamification. Dieser Ansatz nutzt spieltypische Elemente wie Punkte, Abzeichen, Ranglisten und Level-Aufstiege in einem spielfremden Kontext – wie dem Vokabellernen. Es geht darum, das Belohnungszentrum im Gehirn direkt anzusprechen. Jeder Erfolg, sei er noch so klein, schüttet Dopamin aus, ein Glückshormon, das uns dazu anspornt, die Handlung zu wiederholen.
Eine App wie Duolingo ist das Paradebeispiel für gelungenes Gamification-Design. Tägliche „Streaks“ (Serien), die man nicht unterbrechen will, Wettbewerbe mit Freunden und das Erklimmen von Ligen verwandeln eine potenziell mühsame Aufgabe in eine fesselnde Herausforderung. Es ist kein Zufall, dass laut einer Bitkom-Studie über 70 % der deutschen Jugendlichen regelmäßig Apps mit Gaming-Elementen nutzen. Dieser Mechanismus nutzt die extrinsische Motivation (Belohnung von außen), um eine Brücke zur intrinsischen Motivation (Freude am Lernen selbst) zu bauen.
Gamification aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn und verbessert durch ‚Spaced Repetition‘ nachweislich die Gedächtnisbildung.
– Bildungsexperten, Pfeffermind Gamification-Trends 2024
Gute Lern-Apps verknüpfen diese Spielmechaniken mit bewährten Lernmethoden. Das Konzept der „Spaced Repetition“ (verteilte Wiederholung), bei dem Vokabeln in größer werdenden Abständen abgefragt werden, ist wissenschaftlich erwiesen eine der effektivsten Methoden zur Verankerung von Wissen im Langzeitgedächtnis. Durch die Kombination mit Punkten und Leveln wird dieser Prozess für das Kind nicht als lästige Pflicht, sondern als Teil des „Spiels“ wahrgenommen. Die Gefahr besteht jedoch, wenn die Jagd nach Punkten das eigentliche Lernziel überlagert – ein Balanceakt, den gute Apps meisterhaft beherrschen.
Kostenlos oder Abo: Womit bezahlen Sie wirklich (Daten vs. Geld)?
Die verlockendste Kategorie im App-Store ist oft „kostenlos“. Doch als Eltern sollten Sie hier besonders kritisch sein. Im digitalen Zeitalter gilt die Regel: Wenn Sie nicht für das Produkt bezahlen, sind Sie oft selbst das Produkt – oder in diesem Fall, die Daten Ihres Kindes. Viele kostenlose Apps finanzieren sich durch Werbung oder, noch bedenklicher, durch den Verkauf von Nutzerdaten an Drittanbieter. Die Bezahlung erfolgt hier in einer unsichtbaren Datenwährung. Dem gegenüber stehen transparente Abo-Modelle, bei denen die Dienstleistung klar gegen Geld getauscht wird.
Freemium-Modelle, wie sie bei StudySmarter zu finden sind, bieten einen Mittelweg: Eine Basisversion ist gratis und oft werbefinanziert, während der volle Funktionsumfang und Werbefreiheit ein kostenpflichtiges Premium-Abo erfordern. Reine Abo-Anbieter wie sofatutor setzen von vornherein auf ein bezahltes Modell, was ihnen in der Regel erlaubt, höhere Standards bei Datenschutz und didaktischer Qualität zu gewährleisten. Eine Ausnahme bilden EU-geförderte Projekte wie die Anton-App, die komplett kostenlos und werbefrei sind und einen hohen Datenschutzstandard bieten, da ihre Finanzierung öffentlich gesichert ist. Die Kosten für Premium-Versionen sind dabei überschaubar, so kostet beispielsweise SimpleClub Pro rund 89,99€ pro Jahr.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die gängigsten Modelle in Deutschland, um Ihnen die Einordnung zu erleichtern, wie aus einer Analyse verschiedener Lern-Apps hervorgeht.
| Aspekt | Kostenlose Apps (z.B. Anton) | Freemium (z.B. StudySmarter) | Abo-Modelle (z.B. sofatutor) |
|---|---|---|---|
| Kosten | 0€ (EU-gefördert) | Basis gratis, Premium ab 7,99€/Monat | Ab 16,95€/Monat |
| Werbung | Komplett werbefrei | Werbung in Gratis-Version | Werbefrei |
| Datenschutz | DSGVO-konform, Server in EU | Datensammlung für personalisierte Werbung möglich | DSGVO-konform, keine Weitergabe |
| Funktionsumfang | Vollständig, über 100.000 Übungen | Eingeschränkt in Gratis-Version | Vollständiger Zugriff |
| Offline-Nutzung | Teilweise möglich | Nur mit Premium | Download-Funktion verfügbar |
Um sicherzugehen, dass eine App den strengen deutschen und europäischen Datenschutzrichtlinien entspricht, sollten Sie selbst eine kurze Prüfung vornehmen. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die Seriosität eines Anbieters schnell einzuschätzen.
Ihre DSGVO-Checkliste für Lern-Apps
- Serverstandort prüfen: Befinden sich die Server laut Datenschutzerklärung nachweislich in der EU oder idealerweise in Deutschland?
- Impressum kontrollieren: Ist ein vollständiges Impressum mit einer ladungsfähigen deutschen oder EU-Adresse und einem Ansprechpartner vorhanden?
- Datenschutzerklärung lesen: Ist sie transparent, in verständlicher deutscher Sprache verfasst und erklärt sie genau, welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden?
- Kooperationen checken: Gibt es offizielle Partnerschaften mit deutschen Schulen, Kultusministerien oder bekannten Bildungseinrichtungen? Dies ist ein starkes Vertrauenssignal.
- Prüfsiegel suchen: Verfügt die App über anerkannte Zertifizierungen wie „Geprüfte Lern-App“ von A-J-A oder wurde sie von unabhängigen Stellen wie der Stiftung Warentest positiv bewertet?
Das Risiko, wenn digitales Lernen in passiven Medienkonsum abgleitet
Die größte Sorge vieler Eltern bei der Nutzung von Lern-Apps ist berechtigt: Wann kippt engagiertes Lernen in passives Berieseln-Lassen um? Die Grenze ist fließend, aber das Unterscheidungsmerkmal ist klar: Aktives Lernen erfordert eine kognitive Anstrengung, während passiver Konsum reine Unterhaltung ist. Ein Lernvideo anzusehen, ist zunächst passiv. Erst wenn das Kind innehält, Notizen macht, die Stop-Taste drückt, um einen Gedanken zu Ende zu denken, oder die anschließenden Übungsaufgaben löst, wird der Prozess aktiv.
Gute Lern-Apps sind so konzipiert, dass sie diesen Übergang gezielt fördern. Sie unterbrechen Videos mit kurzen Quizfragen, fordern zur Erstellung eigener digitaler Karteikarten auf oder bieten interaktive Simulationen, bei denen der Schüler selbst Parameter verändern und die Auswirkungen beobachten muss. Passiver Konsum hingegen findet statt, wenn Lernvideos wie eine Netflix-Serie „durchgebingt“ werden, ohne dass das Gelernte verarbeitet oder angewendet wird. Das Gehirn schaltet in einen Empfangsmodus, der kaum nachhaltige Lerneffekte erzeugt.

Als Eltern können Sie die Nutzungsweise Ihres Kindes beobachten und steuern. Fragen Sie nicht: „Hast du dein Lernvideo geschaut?“, sondern: „Was hast du heute gelernt? Kannst du mir das Beispiel aus dem Video mit eigenen Worten erklären?“. Ein untrügliches Zeichen für aktive Nutzung ist, wenn Ihr Kind in der Lage ist, das Gelernte ohne die App zu reproduzieren oder anzuwenden. Technische Hilfsmittel wie die „Bildschirmzeit“-Funktion (iOS) oder „Digital Wellbeing“ (Android) können zudem helfen, klare Zeitfenster für Lern-Apps zu definieren und so eine exzessive, passive Nutzung zu verhindern.
Wann ist eine Online-Nachhilfe effektiver als der klassische Nachhilfelehrer?
Die Entscheidung zwischen einer Online-Nachhilfeplattform und einem klassischen Nachhilfelehrer vor Ort ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von Passgenauigkeit. Die zunehmende Digitalisierung im deutschen Bildungssystem schafft jedoch neue Synergien, die Online-Angebote immer attraktiver machen. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass 73,3 % der Lehrkräfte in Deutschland 2023 wöchentlich digitale Medien im Unterricht einsetzen. Schüler sind es also gewohnt, digital zu lernen, was die Hemmschwelle für Online-Nachhilfe senkt.
Online-Nachhilfe ist besonders dann überlegen, wenn Flexibilität, Spezialisierung und Kosten die entscheidenden Faktoren sind. Ein Student, der spontan vor einer Klausur eine Frage zu einem komplexen Thema hat, findet online rund um die Uhr einen Tutor. In ländlichen Regionen ist es oft unmöglich, einen qualifizierten Lehrer für Nischenfächer wie Latein oder Physik-Leistungskurs zu finden, während Online-Plattformen einen bundesweiten Pool an Experten bieten. Zudem sind die Kosten pro Stunde oft niedriger, da Anfahrtswege und andere Fixkosten entfallen.
Der klassische Nachhilfelehrer punktet hingegen durch den direkten, persönlichen Kontakt. Er kann die Körpersprache des Schülers lesen, Frustrationen unmittelbar auffangen und eine tiefere persönliche Beziehung aufbauen, was besonders für jüngere oder sehr unsichere Kinder wichtig ist. Er kennt zudem oft die spezifischen Anforderungen der lokalen Schule und des Lehrers. Die vbw-Studie 2024 zur Digitalisierung an bayerischen Schulen zeigt jedoch, dass die digitale Kompetenz von Lehrern und Schülern rasant steigt, was die Effektivität von Online-Werkzeugen im Bildungskontext stetig verbessert.
| Kriterium | Online-Nachhilfe | Klassischer Nachhilfelehrer |
|---|---|---|
| Kosten pro Stunde | 15-30€ | 20-50€ (je nach Region) |
| Flexibilität | 24/7 verfügbar, spontane Termine möglich | Feste Termine, Anfahrtszeit nötig |
| Bundesland-Spezialisierung | Tutoren aus ganz Deutschland verfügbar | Kennt lokale Anforderungen genau |
| Nischenfächer | Große Auswahl (Latein, Altgriechisch etc.) | In ländlichen Regionen oft nicht verfügbar |
| Persönlicher Kontakt | Nur digital, weniger Beziehungsaufbau | Direkter persönlicher Kontakt |
| Technische Anforderungen | Stabile Internetverbindung, Endgerät nötig | Keine technischen Voraussetzungen |
Wie überwinden Sie die Hemmung, mit 50 noch Englisch oder Spanisch zu lernen?
Dieser Titel mag auf den ersten Blick nicht passen, doch die zugrundeliegende Frage ist für Sie als Elternteil hochrelevant. Ersetzen Sie „Englisch oder Spanisch lernen“ durch „eine neue digitale Lernwelt verstehen“. Viele Eltern, die nicht mit Smartphones und Apps aufgewachsen sind, fühlen eine ähnliche Hemmung. Sie fühlen sich technisch überfordert, haben Angst, die Kontrolle zu verlieren oder die Funktionsweise und Risiken von Lern-Apps nicht vollständig zu durchschauen. Diese Unsicherheit kann dazu führen, dass man das Thema meidet und entweder pauschal alles Digitale ablehnt oder die Auswahl blind dem Kind überlässt.
Die Überwindung dieser Hemmung ist der erste und wichtigste Schritt, um Ihr Kind kompetent begleiten zu können. Sie müssen kein Programmierer oder Digital Native sein. Ihre Rolle ist die eines kritischen, aber offenen Begleiters. Sehen Sie es als Chance, gemeinsam mit Ihrem Kind zu lernen – nicht nur den Schulstoff, sondern auch den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien. Setzen Sie sich neben Ihr Kind, lassen Sie sich die App zeigen und fragen Sie neugierig nach: „Wie funktioniert dieses Spiel? Was passiert, wenn du diese Aufgabe löst? Zeig mir mal, wo deine Punkte gespeichert werden.“
Ihre Lebenserfahrung und Ihr kritisches Urteilsvermögen sind wertvoller als jedes technische Detailwissen. Sie können Fragen stellen, die ein Kind nicht stellt: „Wer steckt hinter dieser App? Was sagt die Datenschutzerklärung? Ist das wirklich eine sinnvolle Lernübung oder nur Zeitverschwendung?“ Indem Sie Ihre eigene Zurückhaltung überwinden und sich dem Thema neugierig nähern, werden Sie vom passiven Zuschauer zum aktiven Medien-Coach für Ihre Familie. Es geht nicht darum, alles perfekt zu können, sondern darum, es gemeinsam zu versuchen.
Bahn, Roller und Bus: Welche App verknüpft alle Verkehrsmittel nahtlos?
Auch dieser Titel ist eine Metapher für die Qualität einer Lern-App. Eine gute Mobilitäts-App zeigt Ihnen nicht nur den Fahrplan der Bahn. Sie integriert den Fußweg zur Haltestelle, den E-Roller für die „letzte Meile“ und den Busanschluss – sie schafft ein nahtloses Ökosystem für Ihre Reise. Übertragen auf Lern-Apps bedeutet das: Eine herausragende App ist mehr als eine Sammlung von Videos oder Übungen. Sie verknüpft die verschiedenen Lernformate didaktisch sinnvoll zu einem geschlossenen Lernpfad.
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind schaut ein Video über die Französische Revolution. Eine mittelmäßige App endet hier. Eine exzellente App (ein „nahtloser Verkehrsverbund des Lernens“) macht Folgendes:
- Direkte Verknüpfung: Am Ende des Videos erscheint ein Button: „Teste jetzt dein Wissen!“.
- Adaptives Üben: Das anschließende Quiz passt sich den Antworten an. Werden Fragen zu den Jakobinern falsch beantwortet, schlägt die App gezielt einen kurzen Lese-Abschnitt zu diesem Thema vor.
- Methodenwechsel: Nach dem Quiz bietet die App an, die wichtigsten Jahreszahlen und Personen direkt in ein digitales Karteikarten-Set zu übernehmen.
- Kontextualisierung: Am Ende des Kapitels verlinkt die App auf ein Video zum Thema „Aufklärung“, um die ideologischen Wurzeln der Revolution zu beleuchten.
Diese didaktische Interoperabilität ist ein zentrales Qualitätsmerkmal. Die App wird so vom reinen Inhaltslieferanten zum intelligenten Lernbegleiter, der den Schüler aktiv durch den Stoff führt und verschiedene Lernmethoden – sehen, lesen, anwenden, wiederholen – nahtlos miteinander verbindet. Achten Sie bei der Auswahl darauf, ob eine App nur isolierte Inhalte anbietet oder ein echtes, vernetztes Lern-Ökosystem schafft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der pädagogische Wert einer App ist wichtiger als Hochglanz-Features. Fokus auf aktive Lernförderung statt passivem Konsum.
- „Kostenlos“ wird oft mit Nutzerdaten bezahlt. Transparente Abo-Modelle bieten meist mehr Datenschutz und Qualität. Nutzen Sie die DSGVO-Checkliste.
- Gute Gamification nutzt Psychologie (Dopamin, Belohnung), um die Motivation zu steigern, sollte aber nie das eigentliche Lernziel ersetzen.
Wie entwickeln Sie einen digitalen Schulungsplan für Mitarbeiter über 50?
Erneut eine Metapher: Ersetzen Sie „Mitarbeiter über 50“ durch „Ihr Kind“ und „Schulungsplan“ durch „wöchentlicher Lernplan“. Denn eine noch so gute App ist wirkungslos, wenn ihre Nutzung nicht strukturiert und verbindlich in den Alltag integriert wird. Ihre Aufgabe als Eltern ist es, gemeinsam mit Ihrem Kind einen solchen digitalen Lernplan zu entwickeln. Dieser Plan schafft Routine, Verbindlichkeit und macht den Lernerfolg messbar.
Ein solcher Plan sollte nicht überladen sein, sondern realistische und konkrete Ziele setzen. Anstatt vage zu sagen „Du musst mehr Mathe üben“, definieren Sie klare Aufgaben und Zeitfenster. Ein effektiver Plan könnte zum Beispiel so aussehen:
- Montag (16:00-16:25 Uhr): Zwei Lernvideos zum Thema „Binomische Formeln“ ansehen und die Zusammenfassung ins Heft übertragen.
- Mittwoch (17:00-17:20 Uhr): 20 Minuten Vokabeltraining in der App, Fokus auf die Lektion der letzten Schulstunde.
- Freitag (15:30-15:50 Uhr): Das Wochen-Quiz in der Mathe-App absolvieren und die Ergebnisse gemeinsam besprechen.
Dieser Ansatz hat mehrere Vorteile. Er macht das Lernen zu einem festen, nicht verhandelbaren Teil der Woche, ähnlich wie der Sportverein oder der Musikunterricht. Er zerlegt große, einschüchternde Themen in kleine, machbare Einheiten, was die Motivation erhöht. Und vor allem gibt er Ihnen als Eltern eine klare Grundlage, um den Fortschritt zu verfolgen und bei Bedarf unterstützend einzugreifen. Der Schlüssel ist, diesen Plan gemeinsam mit dem Kind zu erstellen, um seine Akzeptanz und Eigenverantwortung zu fördern.
Der Weg zur richtigen Lern-App ist also eine aktive Gestaltungsaufgabe für Sie als Eltern. Beginnen Sie noch heute damit, nicht indem Sie eine App herunterladen, sondern indem Sie sich mit Ihrem Kind zusammensetzen, um sein ganz persönliches Lernprofil zu besprechen und den Grundstein für einen gemeinsamen, digitalen Lernweg zu legen.
Häufige Fragen zu Lern-Apps für den Schulstoff
Wie viel Bildschirmzeit ist für Lern-Apps angemessen?
Experten empfehlen maximal 1-2 Stunden täglich für digitales Lernen, aufgeteilt in 20-30 Minuten Sessions mit Pausen. Die Nutzung sollte immer in Verbindung mit analogen Lernmethoden wie dem Schreiben von Zusammenfassungen oder dem Bearbeiten von Aufgaben im Schulheft erfolgen.
Woran erkenne ich, ob mein Kind die App aktiv nutzt oder nur konsumiert?
Aktive Nutzung zeigt sich durch: die konsequente Bearbeitung von Übungen, die eigene Erstellung von Inhalten (z.B. digitale Karteikarten oder Notizen), messbare Fortschritte in der App-Statistik und vor allem die Fähigkeit, das Gelernte auch ohne die App mit eigenen Worten wiederzugeben.
Welche technischen Kontrollen helfen gegen übermäßigen Konsum?
Nutzen Sie die Bordmittel Ihres Smartphones: „Bildschirmzeit“ (unter iOS) oder „Digital Wellbeing“ (unter Android) ermöglichen es, tägliche Zeitlimits für einzelne Apps festzulegen. Eine weitere effektive Methode ist die Trennung von Lern- und Unterhaltungs-Apps durch verschiedene Nutzerprofile oder Ordner.