Veröffentlicht am März 11, 2024

Bildungsurlaub ist kein Urlaubs-Upgrade, sondern Ihr effektivstes Karriere-Werkzeug nach 40.

  • Gezielte Mikro-Qualifikationen durch kurze Kurse bieten oft einen höheren und schnelleren Return on Investment (ROI) als ein langwieriger Master-Abschluss.
  • Im Zeitalter der KI werden menschliche Fähigkeiten wie Empathie und strategisches Denken ebenso entscheidend wie technische Skills, was den Fokus Ihrer Weiterbildung verändern muss.

Empfehlung: Betrachten Sie Ihren Bildungsurlaub nicht als einmalige Chance, sondern als jährlichen „Wissens-TÜV“, um Ihr Kompetenzprofil aktiv zu managen und zukunftssicher zu machen.

Die 40 ist überschritten, die Erfahrung ist da, doch ein nagendes Gefühl macht sich breit: Gehöre ich bald zum „alten Eisen“? Die Technologie rast, jüngere Kollegen sprechen eine Sprache aus Buzzwords und KI-Tools, die Ihnen fremd vorkommt. Der Gedanke an Weiterbildung drängt sich auf, doch die üblichen Ratschläge fühlen sich falsch an. Ein weiterer Hochschulabschluss? Zu lang, zu teuer, zu theoretisch. Den Bildungsurlaub für einen Sprachkurs in der Toskana oder einen Yoga-Retreat nutzen? Angenehm, aber kaum ein strategischer Karriereschritt.

Die meisten Ratgeber übersehen den wahren Wert des Bildungsurlaubs für erfahrene Fachkräfte. Es geht nicht darum, sich eine nette Auszeit zu gönnen oder Wissen anzuhäufen, das in der Praxis verpufft. Der wahre Hebel liegt in einer fundamental anderen Herangehensweise, die wir als strategisches Skill-Stacking bezeichnen. Vergessen Sie die Jagd nach dem einen großen, monolithischen Abschluss. Die entscheidende Frage lautet: Welche Kombination aus kleinen, hochrelevanten Mikro-Qualifikationen macht Ihr Profil heute einzigartig und für den Arbeitsmarkt von morgen unverzichtbar?

Dieser Artikel ist Ihr strategischer Karriere-Coach. Er wird Ihnen zeigen, wie Sie Ihren gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub von einem passiven Recht in Ihr aktivstes Werkzeug zur Karrieregestaltung verwandeln. Wir werden analysieren, warum kurze, spezialisierte Kurse oft wertvoller sind als ein zweiter Master, wie Sie die richtigen Zukunftskompetenzen identifizieren und wie Sie diesen Prozess sogar vom Arbeitgeber oder der Arbeitsagentur finanzieren lassen können. Es ist an der Zeit, Ihre Karriere nicht nur zu verwalten, sondern sie gezielt zu gestalten.

Dieser Leitfaden ist Ihr Fahrplan, um Weiterbildung neu zu denken. Er führt Sie durch die strategischen Überlegungen, die praktischen Entscheidungen und die finanziellen Möglichkeiten, um Ihren Bildungsurlaub maximal wirksam einzusetzen.

Warum sind kurze, spezialisierte Online-Kurse oft mehr wert als ein zweiter Master?

Der traditionelle Reflex bei Karriereunsicherheit ist oft der Ruf nach dem nächsthöheren formalen Abschluss. Doch in der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt ist dieser Weg für erfahrene Berufstätige oft ein strategischer Fehler. Der Schlüssel liegt nicht in der Breite, sondern in der gezielten Tiefe und Kombination von Fähigkeiten – dem sogenannten Skill-Stacking. Es geht darum, Ihr bestehendes Expertenwissen mit 2-3 neuen, hochaktuellen Kompetenzen zu einem einzigartigen und gefragten Profil zu verbinden. Ein Projektmanager mit einer frischen Zertifizierung in „KI für Business Leaders“ und „Agile Transformation“ ist für viele Unternehmen wertvoller als ein Generalist mit einem weiteren theoretischen MBA.

Der entscheidende Vorteil von kurzen, spezialisierten Kursen, die oft perfekt im Rahmen eines 5-tägigen Bildungsurlaubs absolviert werden können, ist der unmittelbare „Time-to-Value“. Das Gelernte ist nicht erst nach zwei Jahren, sondern sofort im nächsten Projekt anwendbar. Dies demonstriert Initiative, Anpassungsfähigkeit und steigert Ihren Marktwert messbar. Der Return on Investment (ROI) ist ungleich höher, wenn man die geringeren Kosten und den minimalen Zeitaufwand berücksichtigt.

Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht den massiven Unterschied in der Investitionslogik, wie sie auch eine Analyse der Fördermöglichkeiten durch das Qualifizierungschancengesetz nahelegt:

ROI-Vergleich: Spezialisierte Kurse vs. MBA
Kriterium 3-4 Spezialkurse via Bildungsurlaub Teilzeit-MBA Deutschland
Investition ca. 2.000€ ca. 30.000€
Zeitaufwand 15-20 Tage 2-3 Jahre
Time-to-Value Sofort anwendbar Nach Abschluss
Praxisbezug Sehr hoch, branchenspezifisch Generalistisch
Förderung möglich 100% via QCG für KMU Teilweise

Ihr Aktionsplan für strategisches Skill-Stacking

  1. Analysieren Sie aktuelle Stellenausschreibungen in Ihrer Zielposition und identifizieren Sie die 3-4 meistgefragten Zertifikate.
  2. Kombinieren Sie komplementäre Qualifikationen (z.B. Scrum Master + PRINCE2 + ITIL) für ein einzigartiges Profil.
  3. Nutzen Sie das Qualifizierungschancengesetz für bis zu 100% Kostenübernahme bei Kursen über 120 Stunden.
  4. Planen Sie über 2 Jahre verteilt 4 Bildungsurlaube à 5 Tage für modulares MBA-Wissen.
  5. Dokumentieren Sie Ihre erworbenen Kompetenzen in einem digitalen Portfolio für Gehaltsverhandlungen.

Wie überwinden Sie die Hemmung, mit 50 noch Englisch oder Spanisch zu lernen?

„Dafür bin ich zu alt“, „In meinem Alter lerne ich keine Sprachen mehr“ – diese Glaubenssätze sind oft die größten Barrieren, nicht die kognitiven Fähigkeiten. Die Realität sieht anders aus: In einer globalisierten Arbeitswelt sind Fremdsprachenkenntnisse keine nette Zusatzqualifikation mehr, sondern oft eine Grundvoraussetzung. Die gute Nachricht ist, dass Sie mit über 50 sogar Vorteile beim Sprachenlernen haben: mehr Disziplin, ein klareres Lernziel und die Fähigkeit, neue Informationen mit einem reichen Erfahrungsschatz zu verknüpfen.

Sie sind mit Ihrer Situation nicht allein. Laut aktuellen Erhebungen der Sprachschulanbieter sind über 60% der Teilnehmer an Business-Sprachkursen über 40 Jahre alt. Moderne Sprachschulen haben sich darauf eingestellt und bieten spezielle Programme an, die auf die Bedürfnisse erfahrener Berufstätiger zugeschnitten sind. Diese Kurse kombinieren intensiven Unterricht mit Networking unter Gleichgesinnten und vermeiden so das Gefühl, wieder die Schulbank drücken zu müssen.

Erwachsene Lernende über 50 in interaktivem Sprachunterricht mit Tandem-Methode

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, den Druck herauszunehmen und den Prozess als Investition in Ihre persönliche und berufliche Flexibilität zu sehen. Eine Tandem-Methode, bei der Sie mit einem Muttersprachler üben, oder ein Business-Sprachkurs via Bildungsurlaub kann Hemmungen abbauen und schnell zu Erfolgserlebnissen führen. Wie eine Fallstudie von EF Education zeigt, nutzen Teilnehmer der Altersgruppe 50+ erfolgreich Programme, die Unterricht mit kulturellen Aktivitäten verbinden. Ein 52-jähriger Ingenieur konnte nach einem zweiwöchigen „Technical English“-Kurs im Bildungsurlaub internationale Projektleitungen übernehmen – ein direkter ROI für seine Karriere.

Empathie oder Programmieren: Was sichert Ihren Job im KI-Zeitalter?

Die Debatte um die Zukunft der Arbeit wird oft auf ein Duell reduziert: menschliche Soft Skills gegen technische Hard Skills. Doch diese Sichtweise ist zu kurz gedacht. Die wahre Herausforderung und Chance für erfahrene Arbeitskräfte liegt nicht in der Wahl zwischen Empathie und Programmieren, sondern in der intelligenten Kombination von beidem. Künstliche Intelligenz (KI) wird repetitive und analytische Aufgaben übernehmen, was paradoxerweise den Wert genuin menschlicher Fähigkeiten wie Kreativität, kritisches Denken und emotionale Intelligenz steigert.

Eine aktuelle Trendence-Umfrage zeigt, dass sich 65,4% aller Beschäftigten KI-Weiterbildungen wünschen, aber nur 20% diese auch erhalten. Hier liegt Ihre Chance: Nutzen Sie den Bildungsurlaub, um sich proaktiv ein Grundverständnis für KI anzueignen. Sie müssen kein Programmierer werden, aber Sie müssen verstehen, wie KI-Tools Ihre Branche verändern, um weiterhin strategisch mitreden zu können. Gleichzeitig sollten Sie in Kurse investieren, die Ihre Soft Skills stärken – Verhandlungsführung, Konfliktmanagement oder interkulturelle Kommunikation. Diese bilden Ihre persönliche „Karriere-Firewall“, die von einer Maschine nicht ersetzt werden kann.

Generative KI wird bereits in den nächsten zehn Jahren einen starken Einfluss auf Bürojobs haben. Ca. 30 Prozent der betrachteten Büroarbeiten könnten von KI übernommen werden.

– Pearson Studie, Reskilling und der Einfluss generativer KI auf die Arbeitswelt

Ein Manager, der sowohl die Potenziale von KI für sein Team erkennt als auch die Empathie besitzt, die Ängste der Mitarbeiter bei der Einführung neuer Technologien zu managen, ist unersetzlich. Ihr Bildungsurlaub ist das perfekte Instrument, um diese beiden Welten zu verbinden: eine Woche für einen „AI for Business Leaders“-Kurs, die nächste für ein Intensivtraining in „Leading with Empathy“.

Das Risiko, sich auf dem Expertenwissen von vor 10 Jahren auszuruhen

Erfahrung ist Ihr größtes Kapital. Doch sie birgt auch eine Gefahr: die trügerische Sicherheit, dass das Wissen, das Sie vor einem Jahrzehnt zum Experten gemacht hat, auch heute noch ausreicht. Die Halbwertszeit von Wissen hat sich in fast allen Branchen dramatisch verkürzt. Was gestern „Best Practice“ war, ist heute veraltet. Sich auf Lorbeeren auszuruhen, ist die sicherste Strategie, um beruflich ins Abseits zu geraten. Es ist entscheidend, eine Haltung des lebenslangen Lernens nicht nur als Phrase zu verstehen, sondern aktiv zu leben.

Betrachten Sie Ihren jährlichen Anspruch auf Bildungsurlaub als eine Art „Wissens-TÜV“. Es ist eine geplante, institutionalisierte Überprüfung Ihrer beruflichen „Betriebssicherheit“. Nutzen Sie diese Zeit, um sich gezielt mit den neuesten Trends, Tools und Methoden Ihrer Branche auseinanderzusetzen. Dies dient nicht nur dem Wissenserwerb, sondern auch der Standortbestimmung: Wo stehe ich? Welche Lücken habe ich? Welche neuen Entwicklungen habe ich verpasst?

Visualisierung der Halbwertszeit von Expertenwissen in deutschen Schlüsselindustrien

Achten Sie auf die subtilen Warnsignale, die auf veraltetes Wissen hindeuten. Erkennen Sie sich in einigen dieser Punkte wieder, ist es höchste Zeit zu handeln:

  • Junge Kollegen sprechen ständig über Tools und Methoden, die Sie nicht kennen.
  • Ihre Bewerbungen auf neue Positionen bleiben erfolglos trotz langjähriger Erfahrung.
  • Sie können bei Diskussionen über aktuelle Branchentrends nicht mehr mithalten.
  • Ihre Arbeitsweise hat sich in den letzten 5 Jahren kaum verändert.

Ein strategisch gewählter Bildungsurlaub ist die beste Medizin gegen die schleichende Obsoleszenz von Kompetenzen. Er zwingt Sie, aus der Routine auszubrechen und Ihr Wissen bewusst zu aktualisieren, anstatt darauf zu warten, vom Wandel überrollt zu werden.

Wann zahlt die Arbeitsagentur oder der Arbeitgeber Ihre Umschulung?

Die Finanzierung von Weiterbildung ist eine zentrale Frage und oft eine Hürde. Doch gerade in Deutschland gibt es robuste Mechanismen, die Sie als erfahrener Arbeitnehmer kennen und nutzen sollten. Der Schlüssel liegt darin, zwischen einer Anpassungsfortbildung und einer Umschulung zu unterscheiden. Eine Anpassungsfortbildung baut auf Ihren bestehenden Fähigkeiten auf und wird oft vom Arbeitgeber mitfinanziert, insbesondere wenn Sie einen klaren Business Case vorlegen können. Der Bildungsurlaub ist hierbei Ihr Joker: Sie bringen bereits die gesetzlich garantierte, bezahlte Freistellung mit – der Arbeitgeber muss „nur“ noch die Kursgebühren übernehmen oder bezuschussen.

Ein noch mächtigeres Instrument ist das Qualifizierungschancengesetz (QCG). Es richtet sich an Unternehmen, deren Mitarbeiter von strukturellem Wandel (z.B. durch Digitalisierung) betroffen sind. Hier kann die Agentur für Arbeit nicht nur die Weiterbildungskosten, sondern auch einen Teil des Lohns während der Freistellung übernehmen. Seit der Neuregelung im April 2024 erhalten kleine Unternehmen sogar bis zu 100% Lohnkostenerstattung beim QCG. Dies ist ein unschlagbares Argument, um Ihren Chef zu überzeugen, in Ihre Zukunft – und damit in die des Unternehmens – zu investieren.

Eine Umschulung hingegen bedeutet eine komplette berufliche Neuorientierung und wird in der Regel von der Agentur für Arbeit über einen Bildungsgutschein gefördert, wenn Ihr aktueller Beruf keine Zukunftsperspektive mehr bietet. Für die meisten Angestellten, die ihre Karriere aufwerten und nicht komplett wechseln wollen, sind die Instrumente der Anpassungsfortbildung wie Bildungsurlaub in Kombination mit dem QCG jedoch der strategisch sinnvollere und leichter zu realisierende Weg.

E-Learning oder Workshop: Was ist effektiver für das Erlernen komplexer Software?

Die Entscheidung für eine Weiterbildung ist getroffen, doch nun stellt sich die Frage nach dem Format. Gerade beim Erlernen komplexer Software wie SAP, Salesforce oder spezieller KI-Anwendungen stehen sich zwei Modelle gegenüber: flexibles E-Learning und intensiver Präsenz-Workshop. Beide haben ihre Berechtigung, doch die Effektivität hängt stark von Ihrem Lernziel und Ihrer Persönlichkeit ab. Reines E-Learning bietet maximale Flexibilität, birgt aber die Gefahr der Prokrastination und des fehlenden Praxistransfers. Ein Präsenz-Workshop, oft als Bildungsurlaub angeboten, erzwingt den Fokus und ermöglicht direkten Austausch mit Trainern und anderen Teilnehmern.

Fallstudie: Blended Learning im deutschen Mittelstand

Der TÜV Rheinland berichtet von einem Maschinenbauunternehmen mit 45 Mitarbeitern, das das Qualifizierungschancengesetz (QCG) nutzte: Drei Mitarbeiter absolvierten eine 320-stündige KI-Weiterbildung im Blended-Learning-Format. Die theoretischen Grundlagen wurden online erarbeitet, gefolgt von einem einwöchigen Präsenz-Workshop via Bildungsurlaub zur praktischen Anwendung. Das während der Weiterbildung entwickelte KI-Projekt zur Produktionsoptimierung ermöglichte bereits im ersten Jahr 15% Einsparungen – ein perfektes Beispiel für gelungenen Praxistransfer.

Die strategisch beste Lösung ist oft ein Blended-Learning-Ansatz. Hierbei eignen Sie sich die theoretischen Grundlagen flexibel online an und nutzen dann den Bildungsurlaub für einen kompakten Präsenz-Workshop. In diesem Workshop geht es dann nicht mehr um die Theorie, sondern um die konkrete Anwendung, die Lösung von Praxisproblemen und den Aufbau eines Netzwerks. Dieser Ansatz kombiniert die Vorteile beider Welten und maximiert den Lernerfolg sowie den Praxistransfer.

Die folgende Tabelle hilft Ihnen bei der Abwägung, welches Format für Ihre spezifischen Bedürfnisse am besten geeignet ist:

Vergleich E-Learning vs. Präsenz-Workshop für Software-Schulungen
Kriterium E-Learning (Udemy, Coursera) Präsenz-Workshop (Bildungsurlaub) Blended Learning
Flexibilität Sehr hoch Niedrig Mittel
Networking Kaum vorhanden Sehr gut Gut
Praxistransfer Selbstständig Angeleitet Optimal
Zertifizierung Oft nicht anerkannt Herstellerzertifikate möglich Beste Option
Kosten 50-500€ 1.000-3.000€ 800-2.000€

Welche manuellen Bürotätigkeiten lassen sich im Ökosystem sofort automatisieren?

Strategische Weiterbildung bedeutet nicht nur, große neue Kompetenzen zu erlernen. Sie beginnt oft im Kleinen: bei der Befreiung von repetitiven, zeitraubenden Aufgaben, um Kapazitäten für wertschöpfendere Tätigkeiten zu schaffen. Viele manuelle Bürotätigkeiten, die täglich Stunden kosten, lassen sich mit den bereits vorhandenen Tools Ihres digitalen Ökosystems (Microsoft 365, Google Workspace) oder durch einfache Low-Code-Anwendungen automatisieren. Ein Bildungsurlaub zum Thema „Büroautomatisierung“ oder „Microsoft Power Automate“ kann einen sofortigen und massiven Produktivitätsgewinn bringen.

Der Schlüssel liegt darin, die „Low-Hanging Fruits“ zu identifizieren – jene Prozesse, deren Automatisierung wenig Aufwand erfordert, aber viel Zeit spart. Oft sind dies Aufgaben, von denen Sie denken, „das muss eben so gemacht werden“, obwohl es längst digitale Lösungen gibt. Die Ein-Klick-Rechnungsfreigabe ist ein klassisches Beispiel aus dem deutschen Mittelstand, das zeigt, wie digitale Prozesse den Papierkram ersetzen und sofort Stunden einsparen.

Hier sind einige konkrete Beispiele für sofort umsetzbare Automatisierungen, die oft keine oder nur geringe Programmierkenntnisse erfordern:

  • Automatische Reisekostenabrechnung: Einrichtung mit DATEV Arbeitnehmer online (ca. 30 Min. Einrichtung, 2 Std. Zeitersparnis/Monat).
  • E-Mail-Management: Konfiguration von Filterregeln in Outlook/GMX für automatische Ablage (ca. 15 Min. Setup, bis zu 1 Std. täglich gespart).
  • Terminplanung: Automatisierung mit Tools wie Calendly oder Microsoft Bookings (ca. 1 Std. Setup, bis zu 3 Std. wöchentlich gespart).
  • Prozessverknüpfung: Einfache Prozesse mit Zapier verbinden, z.B. Einträge aus einer Excel-Liste automatisch als Kalender-Termine anlegen (ca. 2 Std. Setup, 5 Std. monatlich gespart).
  • Datentransfer: Nutzung von RPA mit Microsoft Power Automate Desktop, um Daten von Webseiten in Excel-Tabellen zu kopieren.

Indem Sie sich diese Fähigkeiten aneignen, werden Sie nicht nur persönlich effizienter, sondern positionieren sich im Unternehmen als digitaler Vorreiter und Problemlöser. Sie demonstrieren, dass Sie den Wandel nicht nur begleiten, sondern aktiv gestalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Skill-Stacking schlägt Abschluss: Konzentrieren Sie sich darauf, Ihr Profil durch 2-3 gezielte Mikro-Qualifikationen pro Jahr zu schärfen, anstatt einen langwierigen Abschluss zu verfolgen.
  • Bildungsurlaub als Wissens-TÜV: Nutzen Sie Ihren Anspruch als jährliche, strategische Überprüfung und Aktualisierung Ihrer Kompetenzen, um relevant zu bleiben.
  • Menschlichkeit als Karriere-Firewall: Investieren Sie parallel zu technischen Skills in menschliche Fähigkeiten wie Empathie und kritisches Denken – diese sind Ihre beste Absicherung im KI-Zeitalter.

Wie können KMUs durch digitale Ökosysteme ihre Prozesskosten um 20% senken?

Die strategische Nutzung von Bildungsurlaub ist kein reines Individualthema, sondern ein entscheidender Hebel für die Wettbewerbsfähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs). In einer Wirtschaft, in der der digitale Wandel alle Branchen erfasst, ist die Qualifikation der Mitarbeiter der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Transformation. Die aktuelle Bitkom-Studie 2024 zeigt, dass 74% der Befragten Weiterbildungen zu digitalen Technologien als wichtig bewerten – ein klares Signal an die Unternehmensführungen.

Für KMUs ist die gezielte Weiterbildung ihrer erfahrenen Mitarbeiter eine Win-Win-Situation. Anstatt teuer neue Fachkräfte zu suchen, können sie das immense Potenzial ihrer bestehenden Belegschaft heben. Ein Mitarbeiter, der per Bildungsurlaub lernt, wie man durch die Anbindung von Banking, Lohnbuchhaltung und Dokumentenmanagement im DATEV-Ökosystem Prozesskosten senkt, generiert einen direkten, messbaren Mehrwert. Die Investition in solche Weiterbildungen, die durch Instrumente wie das QCG quasi zum Nulltarif zu haben sind, führt zu Mitarbeiterbindung, Effizienzsteigerung und Innovationskraft.

Ein strategisch denkendes KMU fördert daher proaktiv den Einsatz von Bildungsurlaub für Themen, die direkt auf die Unternehmensziele einzahlen: IT-Sicherheit, digitale Markterschließung oder die Automatisierung von Geschäftsprozessen. So wird aus einem individuellen Anspruch ein gemeinsames Projekt zur Zukunftssicherung. Die Senkung von Prozesskosten um 20% ist kein utopisches Ziel, sondern das realistische Ergebnis einer konsequenten Digitalisierungs- und Weiterbildungsstrategie.

Jetzt sind Sie am Zug. Hören Sie auf, Bildungsurlaub als eine administrative Pflicht zu sehen. Beginnen Sie, ihn als Ihr mächtigstes strategisches Instrument zu betrachten, um die nächsten 10 bis 15 Jahre Ihrer Karriere proaktiv zu gestalten. Analysieren Sie Ihr Profil, identifizieren Sie Ihre Lücken und buchen Sie noch heute Ihren ersten strategischen „Wissens-TÜV“.

Häufig gestellte Fragen zum Bildungsurlaub

Was ist der Unterschied zwischen Weiterbildung und Umschulung?

Eine Anpassungsfortbildung wird oft vom Arbeitgeber oder durch das QCG bezahlt und baut auf vorhandenen Qualifikationen auf. Eine Umschulung ist eine komplette berufliche Neuorientierung und wird meist von der Arbeitsagentur via Bildungsgutschein gefördert.

Wie überzeuge ich meinen Arbeitgeber von einer Kofinanzierung?

Erstellen Sie einen Weiterbildungs-Business-Case mit klarem ROI, Kompetenzgewinn für das Unternehmen und Argumenten zur Mitarbeiterbindung. Nutzen Sie den Bildungsurlaub als „Schnupperkurs“, um das Risiko für den Arbeitgeber zu minimieren.

Welche Voraussetzungen gelten für das Qualifizierungsgeld?

Seit April 2024 muss ein strukturwandelbedingter Qualifizierungsbedarf bei mindestens 10% (in Betrieben mit weniger als 250 Mitarbeitern) oder 20% (in Betrieben mit über 250 Mitarbeitern) der Belegschaft bestehen. Die Agentur für Arbeit zahlt dann Entgeltzusatzleistungen von 60-67%.

Geschrieben von Julia Hoffmann, Diplom-Pädagogin und systemischer Lerncoach. Spezialisiert auf Inklusion, Erwachsenenbildung und lebenslanges Lernen mit 12 Jahren Erfahrung im Bildungssektor.