Panoramablick auf Zürich mit See und Altstadt im Morgenlicht

235 leerstehende Wohnungen. Das ist alles, was die Stadt Zürich im Juni 2025 zu bieten hatte. Bei über 220’000 Wohnungen. Wer hier kaufen will, konkurriert mit Hunderten anderen – und die Preise? Steigen weiter. Aber warum eigentlich? Und lohnt sich der Einstieg noch?

Zürcher Immobilienmarkt 2026 – Das Wichtigste in 30 Sekunden:

  • Preisprognose: +4,5% für Wohneigentum im Kanton Zürich
  • Leerstand Stadt: 0,1% – praktisch kein Angebot
  • Attraktive Quartiere: Zürich-Nord bietet das beste Preis-Potenzial-Verhältnis
  • Grösste Risiken: Zinsanstieg und Eigenmietwert-Erhöhung ab 2026

Was treibt die Preise in Zürich wirklich nach oben?

Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Es gibt schlicht keine Wohnungen. Laut Erhebung der Stadt Zürich lag die Leerwohnungsziffer im Juni 2025 bei 0,1 Prozent. Das sind 235 Wohnungen für die gesamte Stadt. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor waren es noch 169. Der Anstieg klingt nach etwas – ist aber lächerlich.

0,48%

Leerwohnungsziffer im Kanton Zürich – der tiefste Stand seit über 20 Jahren

Was passiert, wenn Nachfrage auf praktisch kein Angebot trifft? Richtig. Die Preise explodieren. In meiner Beratungspraxis sehe ich Kunden, die mit einem Budget von 1,2 Millionen Franken für eine 4,5-Zimmer-Wohnung ins Seefeld wollen. Das funktioniert nicht mehr. Wer sich einen Überblick über aktuelle Quadratmeterpreise in Zürich verschaffen will, sieht schnell: Die Preisunterschiede zwischen den Quartieren sind enorm.

Der zweite Treiber: Zürich ist wirtschaftlich brutal attraktiv. Die Arbeitslosenquote liegt unter dem Schweizer Durchschnitt, internationale Firmen siedeln sich an, die ETH zieht Talente aus der ganzen Welt an. Diese Menschen brauchen Wohnungen. Und sie können sich leisten, was andere nicht können.

Typisches Zürcher Wohngebäude: Moderne Architektur trifft auf hohe Nachfrage



Der dritte Faktor wird oft vergessen: Infrastrukturprojekte. Die Verlängerung der Linie 11 nach Affoltern, der Ausbau des Hauptbahnhofs, neue S-Bahn-Takte. Jedes dieser Projekte macht Quartiere attraktiver, die vorher als «zu weit draussen» galten. Oerlikon war vor zehn Jahren langweilig. Heute ist es eines der dynamischsten Quartiere der Stadt.

Quadratmeterpreise 2026: Wo steht Zürich im Vergleich?

Zahlen. Jetzt wird es konkret. Die Zürcher Kantonalbank prognostiziert für 2026 einen Preisanstieg von rund 4,5 Prozent bei Wohneigentum im Kanton Zürich. Das ist kein Ausreisser – das ist Normalität. Und im Kanton standen laut offizieller Kantonsstatistik am 1. Juni 2025 nur 3’815 Wohnungen leer. Eine Leerwohnungsziffer von 0,48 Prozent – so tief war sie letztmals nach der Jahrtausendwende.

Aber wie steht Zürich im Vergleich zu anderen Schweizer Städten? Das Bild ist differenzierter, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Zürich vs. Basel vs. Bern: Marktvergleich 2026
Kriterium Zürich Basel Bern
Prognose 2026 +4,5% +3,0% +2,5%
Leerstand Kanton 0,48% 0,9% 1,1%
Marktdynamik Sehr angespannt Angespannt Moderat

Was diese Tabelle nicht zeigt: die Streuung innerhalb der Städte. In Zürich kann der Quadratmeterpreis je nach Quartier zwischen 10’000 und 25’000 Franken variieren. Seefeld und Enge spielen in einer anderen Liga als Schwamendingen oder Affoltern.

Ein Punkt, den ich in Beratungen immer anspreche: Die Inseratpreise sind nicht die Transaktionspreise. In meiner Erfahrung liegen die tatsächlichen Kaufpreise im Kanton Zürich oft 5-10% über dem ursprünglichen Angebot. Nicht weil Verkäufer gierig sind – sondern weil mehrere Interessenten bieten.

Diese Quartiere sollten Sie 2026 genauer anschauen

Lebendige Quartierstruktur: ÖV-Anbindung und Nahversorgung als Werttreiber



Jetzt wird es persönlich. Ich werde Ihnen nicht alle zwölf Stadtkreise aufzählen. Das wäre Zeitverschwendung. Stattdessen: drei Quartiere, die ich meinen Kunden aktuell empfehle – mit Begründung.

  • Oerlikon (Kreis 11): Die Transformation ist abgeschlossen. Neue Tramlinien, Einkaufszentren, Schulen. Die Preise sind noch 15-20% unter Wiedikon. Das ändert sich gerade.
  • Altstetten (Kreis 9): Früher industriell, heute urban. Die Nähe zum Letzigrund und die S-Bahn-Anbindung machen es für junge Familien attraktiv. Noch unterschätzt.
  • Schwamendingen (Kreis 12): Ja, wirklich. Die Verdichtungsprojekte bringen neue Wohnungen auf den Markt, die ÖV-Anbindung ist hervorragend. Potenzial für Wertsteigerung.

Wie stark fussläufige Infrastruktur und Immobilienwert zusammenhängen, zeigt sich gerade in diesen aufstrebenden Quartieren besonders deutlich.


Meine Einschätzung zu Zürich-Nord:

Bei den Dossiers, die ich in den letzten zwei Jahren begleitet habe, zeigt sich ein klares Muster: Käufer, die bereit waren, nördlich der Hardbrücke zu suchen, fanden Objekte. Die anderen warten heute noch. Oerlikon, Seebach, Affoltern – hier ist der Markt nicht weniger angespannt, aber die Einstiegspreise sind realistischer. Meine Empfehlung: Schauen Sie sich die Tramlinien-Verlängerungen an. Dort, wo heute gebaut wird, steigen morgen die Preise.

Diese Einschätzung basiert auf meiner Beratungspraxis im Raum Zürich und kann je nach individuellem Suchprofil variieren.

Was ich nicht empfehle: Auf den «perfekten Moment» warten. Den gibt es nicht. Wer 2023 gewartet hat, zahlt heute 10% mehr. Wer 2026 wartet, zahlt 2028 wieder mehr. Der Zürcher Markt korrigiert nicht – er atmet nur kurz durch.

Die Risiken, über die niemand spricht

Achtung – diese Faktoren können Ihre Kalkulation durcheinanderbringen:

Nicht jeder Immobilienkauf ist eine gute Idee. Die folgenden Risiken werden in Verkaufsgesprächen selten erwähnt.

Erstes Risiko: Zinsanstieg. Die Schweizerische Nationalbank hat die Leitzinsen 2024 gesenkt, aber niemand garantiert, dass das so bleibt. Wer heute mit einem Hypothekarzins von 2% kalkuliert und in fünf Jahren 4% zahlen muss, hat ein Problem mit der Tragbarkeit. Ich empfehle: Rechnen Sie immer mit dem kalkulatorischen Zinssatz von 5%, den die Banken verwenden.

Zweites Risiko: Eigenmietwert. Ab Januar 2026 tritt die neue Weisung des Kantons Zürich in Kraft. Gemäss Mitteilung des Kantons Zürich steigen die Eigenmietwerte um durchschnittlich rund 10 Prozent. Das bedeutet: höhere Steuern für Eigentümer. Diesen Faktor vergessen viele bei der Budgetplanung komplett.

Drittes Risiko: Nebenkosten beim Kauf. In meiner Beratungspraxis im Raum Zürich beobachte ich regelmässig, dass Käufer die Nebenkosten unterschätzen – typischerweise um 3-5% des Kaufpreises. Handänderungssteuer, Notarkosten, Grundbuchgebühren. Das sind schnell 50’000 Franken bei einer Wohnung für eine Million. Diese Erfahrung ist auf den Kanton Zürich begrenzt und kann je nach Gemeinde variieren.

Mein Warnhinweis – was Makler selten sagen:

Häufige Aussage: «Der Markt kann nur steigen, Zürich ist krisenfest.»



Meine Einschätzung: Zürich ist attraktiv, ja. Aber «krisenfest» ist kein Naturgesetz. Die Preise stiegen in den letzten zehn Jahren um etwa 40%. Das war eine aussergewöhnliche Phase. Eine Korrektur von 10-15% bei einem externen Schock ist nicht ausgeschlossen. Wer mit maximalem Hebel kauft, spielt mit dem Feuer.

Diese Einschätzung basiert auf meiner Marktbeobachtung und ersetzt keine individuelle Finanzberatung.

Viertes Risiko: Regulatorische Änderungen. Die Debatte um den Eigenmietwert ist nicht beendet. Auch die Lex-Koller-Regelungen für ausländische Käufer könnten sich ändern. Wer heute kauft, muss wissen: Die Spielregeln können sich in fünf Jahren geändert haben.

Häufige Fragen zum Zürcher Immobilienmarkt

Wie hoch sind die Quadratmeterpreise in Zürich aktuell?

Die Preise variieren stark nach Quartier. In Toplagen wie Seefeld oder Enge liegen sie bei 18’000-25’000 CHF/m². In aufstrebenden Quartieren wie Oerlikon oder Altstetten eher bei 10’000-14’000 CHF/m². Der Kantonsmedian für Eigentumswohnungen liegt bei etwa 12’000-13’000 CHF/m².

Können Ausländer in Zürich Immobilien kaufen?

Für ausländische Käufer ohne Schweizer Wohnsitz gilt das Lex-Koller-Gesetz. Grundsätzlich ist der Erwerb von Wohnimmobilien bewilligungspflichtig und in der Regel nicht möglich. Ausnahme: Personen mit C-Bewilligung oder EU/EFTA-Bürger mit Wohnsitz in der Schweiz. Details klären Sie beim zuständigen Grundbuchamt.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Kaufen?

Die ehrliche Antwort: Niemand weiss es. Die Zinsen sind moderat, aber die Preise hoch. Wer auf eine Korrektur wartet, könnte Jahre warten. Meine Empfehlung: Kaufen Sie, wenn Sie ein Objekt finden, das zu Ihrem Budget passt und langfristig bewohnbar ist. Timing ist weniger wichtig als Substanz und Lage.

Welche versteckten Kosten kommen beim Kauf dazu?

Rechnen Sie mit 3-5% des Kaufpreises für Nebenkosten: Handänderungssteuer, Notarkosten, Grundbuchgebühren. Bei einer Wohnung für 1 Million CHF sind das schnell 50’000 CHF zusätzlich. Dazu kommen eventuelle Renovierungen und der Umzug.

Lohnt sich Kaufen oder Mieten in Zürich mehr?

Das hängt von Ihrer Situation ab. Bei den aktuellen Preisen ist Kaufen finanziell oft erst nach 10-15 Jahren günstiger als Mieten. Aber: Eigentum schafft Stabilität und Vermögensaufbau. Wer lange am gleichen Ort bleiben will und das Eigenkapital hat, profitiert langfristig.

Was ich Ihnen zum Schluss mitgebe

Der Zürcher Immobilienmarkt ist kein Ort für schnelle Entscheide. Er ist teuer, komplex und verzeiht keine Fehler bei der Budgetplanung. Aber er bietet auch Chancen – wenn Sie wissen, wo Sie suchen.

Die wichtigste Frage ist nicht «Wann kaufe ich?», sondern «Was passt zu meiner Situation?». Prüfen Sie Ihre Tragbarkeit mit dem kalkulatorischen Zins. Schauen Sie sich Quartiere an, die heute noch unterschätzt werden. Und hinterfragen Sie jede Prognose – auch meine.

Ihre nächsten Schritte



  • Budget realistisch kalkulieren – mit 5% Zins und 5% Nebenkosten


  • Mindestens fünf Quartiere besichtigen, bevor Sie sich festlegen


  • Transaktionspreise recherchieren – nicht nur Inseratpreise

Hinweise zu Marktdaten und Prognosen

  • Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Immobilienberatung
  • Preisentwicklungen basieren auf historischen Daten und sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen
  • Lokale Marktbedingungen können erheblich variieren – eine Bewertung vor Ort ist unerlässlich

Risiken: Preiskorrekturen bei Zinserhöhungen, regulatorische Änderungen (Eigenmietwert, Lex Koller), Fehleinschätzungen bei stark entwickelten Quartieren.

Für eine fundierte Kaufentscheidung empfehle ich die Beratung durch einen Immobilienbewerter mit SVIT-Zertifizierung oder einen unabhängigen Finanzberater.

Geschrieben von Sabine Müller, Immobilienberaterin und Marktanalystin mit Fokus auf den Grossraum Zürich seit 2018. Sie hat über 150 Käufer und Investoren bei Immobilientransaktionen begleitet und analysiert regelmässig Marktdaten für institutionelle Kunden. Ihr Schwerpunkt liegt auf Wohnimmobilien in urbanen Lagen sowie der Bewertung von Quartierentwicklungen. Sie verfügt über eine Zertifizierung des Schweizerischen Verbands der Immobilienwirtschaft (SVIT).